Imke de Kuijper 07.07.21

How To: Diversität & Inklusion in Unternehmen über das ganze Jahr leben

Im Juni war wieder Pride Month – ein Monat, der Diversität und Inklusion feiern soll. Er erinnert an die Aufstände in New York vom 28. Juni 1969, die auf eine Polizei-Razzia im Schwulenclub Stonewall Inn folgten. ClubbesucherInnen, MitarbeiterInnen sowie AnwohnerInnen lehnten sich gegen das brutale, unfaire Vorgehen der Polizei auf und protestierten auf der Christopher Street – der Christopher Street Day war geboren. Bis heute wird im #pridemonth die gleichberechtigte Behandlung von LGBTIQ+ Personen gefordert.

 

Sicherlich hast du auch viele Regenbogenflaggen gesehen und warst vielleicht sogar auf Pride Partys. Doch was steckt eigentlich hinter den Begriffen Diversität und Inklusion, die im Pride Month gefeiert werden? Hier gehen wir genauer darauf ein, warum echte Vielfalt wichtig ist und wieso Diversität und Inklusion uns alle angehen. Wir geben dir einige Best Practice Beispiele und erklären, wie du dein Unternehmen divers und inklusiv gestalten kannst. Denn als Change Agent hast du eine wichtige Rolle, die weit über das Marketing von Regenbogenflaggen oder Geschlechtergerechtigkeit hinausgeht und nicht nur im Pride Monat wichtig ist.

 

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Teile wichtige Informationen zum Pride Month – und zwar das ganze Jahr über, nicht nur im Juni. Quelle: https://venngage.com/templates/infographics/lgbtq-pride-month-faqs-sheet-70a4ca4e-4637-4014-a7bc-5d9bec954453

Was ist der Unterschied zwischen Diversität und Inklusion?

Insbesondere im Pride Month werden Begriffe wie Diversität, Vielfalt und Inklusion sehr häufig benutzt. Sei es im Marketing oder auch innerhalb von Unternehmen, der Juni bringt viele wichtige Themen mit sich. Jedoch sind diese das ganze Jahr über relevant. Damit du sie als Change Agent in deinem Unternehmen umsetzen kannst, ist es wichtig, zunächst einmal den Unterschied zu verstehen.

 

Mit Diversität ist Vielfalt und Verschiedenheit gemeint. Deine MitarbeiterInnen unterscheiden sich in Bezug auf ihre Herkunft, ihr Geschlecht, ihr Aussehen, eventuelle körperliche oder geistige Einschränkungen, ihre Werte, ihre Religion und ihre sexuelle Orientierung. Ein echtes, diverses Unternehmen beschäftigt Menschen jedes Geschlechts, aller Altersstufen, mit Migrationshintergrund, mit körperlichen Einschränkungen und mit abwechslungsreicher Lebenserfahrung.

 

Inklusion ist der nächste Schritt. Denn ein vielfältiges Team allein ist noch nicht ausreichend. Vielmehr müssen Unternehmen eine Kultur der Gleichstellung schaffen, in der alle Teammitglieder auf natürliche Weise dazugehören und eingebunden sind – unabhängig von ihren Besonderheiten. Inklusive Unternehmen, ebenso wie eine inklusive Gesellschaft, sollten dafür sorgen, dass sich alle fair und respektvoll behandelt fühlen. Dazu gehört die Gleichberechtigung ebenso wie die Möglichkeit, man selbst zu sein. Unterschiede werden bei der Inklusion anerkannt, gefeiert und für positive Veränderungen sowie für Lernerfolge genutzt.

Was ist Diversity Management?

Im Kontext von Inklusion und Diversität ist der Begriff des Diversity Managements wichtig. Laut einer Studie der PageGroup ist es 69% der befragten Unternehmen wichtig, ihre Mitarbeitenden im Sinne von Diversity zu stärken. Zusätzlich zu der Vielfalt im Arbeitsumfeld gehört dazu eine Kultur der Inklusion. Dies ist leider in Deutschland noch nicht selbstverständlich. Beispielsweise outen sich nach wie vor weniger als die Hälfte der LGBTIQ+-Menschen im Arbeitskontext. Insbesondere Transgender-Personen geben an, Angst vor Diskriminierung und Mobbing zu haben.

Jedoch bedeutet Diversity Management viel mehr als die Nutzung von Regenbogenfarben im Pride Month. Diese Farben sind ein politisches Symbol der LGBTIQ+ Community, werden aber im Marketing oft für das sogenannte „Pinkwashing“ genutzt, um das Image zu verbessern. Als echter Change Agent sorgst du sowohl für LGBTIQ+ Community als auch für andere Gruppen in deinem Unternehmen stattdessen für gute Arbeitsbedingungen und eine offene, vertrauensvolle Unternehmenskultur. Echtes Diversity Management macht Vielfalt zu einem Teil des Unternehmens, nicht zu einem nachträglichen Gedanken.

Und: Indem du dein Unternehmen als Vorreiter für Inklusion und Diversität positionierst und diese Werte lebst, bist du sehr gut auf die Zukunft vorbereitet. Sowohl bei KundInnen und GeschäftspartnerInnen als auch bei potenziellen ArbeitnehmerInnen werden diese Themen immer wichtiger. Entsprechend ergeben sich wirtschaftliche und soziale Vorteile aus einem gelungenen Diversity Management. Toleranz und Chancengleichheit sind essenziell für die soziale Vielfalt, aber auch für den wirtschaftlichen Erfolg.

 

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Inklusion ist mehr als nur Integration. Quelle: https://www.inklusion-olpe.de/inklusion/inklu-was/

Wieso Diversität und Inklusion uns alle angehen

Diversität und Inklusion gehen uns alle an, und zwar das ganze Jahr über. Selbst, wenn du zu einer privilegierten Gruppe gehörst, kannst auch du von Diversität profitieren. Ganz abgesehen davon ist es gerade als privilegierte Person deine Pflicht, dich für weniger gut situierte Gruppen einzusetzen.

 

Die folgenden Vorteile bringen Vielfalt und Inklusion für Unternehmen:

  •  Gestärkte Unternehmenskultur
  • Mehr Motivation und Engagement
  • Motivierte MitarbeiterInnen
  • Leichtere Erschließung neuer Zielgruppen
  • Gesteigerte Profitabilität

 

Damit dies gelingt, sind konkrete Maßnahmen wichtig. Der erste Schritt ist eine Diversity-Abteilung, die so vielfältig wie möglich aufgestellt ist. So kann das Unternehmen von Anfang an sicherstellen, dass Diversität und Inklusion hoch oben auf der Tagesordnung stehen. Aber auch konstante Weiterbildung, Ansprechpersonen und eine inklusive Sprache machen das Arbeitsumfeld zu einem diversen und inklusiven Ort.  

 

Denke auch daran, dass mit Diversität und Inklusion nicht nur die LGBTIQ+ Gruppe gemeint ist. Höre dich in deinem Unternehmen um, um sicherzugehen, dass sich niemand diskriminiert fühlt. Durch eine umfassende Familienpolitik, die nicht nur Mütter, sondern auch Väter und gleichgeschlechtliche Paare unterstützt, ist zum Beispiel oft schon viel erreicht.

 

Auch für Teammitglieder mit Migrationshintergrund spielt das Diversity Management eine wichtige Rolle. Überlege zum Beispiel, ob es sinnvoll ist, firmenfinanzierten Deutschunterricht anzubieten, öfter englischsprachige Meetings abzuhalten oder ÜbersetzerInnen zu engagieren. Für Unternehmen, in denen etwa gehörlose Menschen arbeiten, stellen Workshops zur Gebärdensprache  für das ganze Team ein wichtiges Werkzeug für das Diversity Management dar. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten und kreative Lösungen im Diversity Management, mit denen ganz differenziert auf die Bedürfnisse der MitarbeiterInnen eingegangen werden kann.

 

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Überlege dir, wofür die Regenbogenflagge steht und wie du für eine Unternehmenskultur sorgen kannst, die alle MitarbeiterInnen miteinbezieht. Quelle: https://www.lonelyplanet.com/articles/best-places-celebrate-pride-uk

 

Best Practice Beispiele für Diversity Management

Pinkwashing im Pride Month ist nicht ausreichend, um Diversität und Inklusion zu erreichen – da sind wir uns einig, oder? Doch welche Unternehmen sind eigentlich gut im Diversity Management und was kannst du von ihnen lernen?

 

Ein gutes Beispiel ist der Softwarekonzern SAP. Hier arbeiten weltweit über 100.000 Personen. SAP hat eine eigene Diversity-Abteilung in jedem wichtigen Geschäftsland. In Deutschland sind das zum Beispiel 13 Personen, die daran arbeiten, Vielfalt für alle MitarbeiterInnen verständlich zu machen. Initiativen wie regelmäßige „Ask me anything“ Workshops mit Mitgliedern der LGBTIQ+ Community sowie die Bereitstellung von MediatorInnen helfen dabei, der Diskriminierung einen Riegel vorzuschieben. Auch ein klarer Code of Conduct sowie ernsthafte Konsequenzen bei homophoben oder anderen problematischen Aussagen sind bei SAP zentral.

 

Auch der deutsche Volkswagen-Konzern geht mit gutem Beispiel voran. Allein in Wolfsburg arbeiten Menschen aus über 100 verschiedenen Ländern. Im Rahmen der „Together-Strategie 2025“ konzentriert sich Volkswagen auf Chancengleichheit. Dazu gehört es, allen MitarbeiterInnen Raum für eigene Ideen zu geben. Auch eine regelmäßige Diversity-Konferenz, die Best Practices in der Branche verankern soll, und Mentoring-Programme für weibliche Talente sind ein wichtiger Teil des Diversity Managements bei Volkswagen. 

 

Wie kann ich mein Unternehmen divers und inklusiv gestalten?

Im Pride Month 2021 haben wir auf unserem LinkedIn-Profil gefragt, welche Initiativen für #diversität und #inklusion in den Unternehmen unserer Follower bekannt sind. Denn laut der internationalen „Diversity & Inclusion Study“ der Job- und Recruiting-Plattform Glassdoor haben auch im Jahr 2019 noch 37% der Befragten bereits Diskriminierung am Arbeitsplatz erfahren oder beobachtet.

 

Die folgenden Initiativen für Diversity Management sind in unserem Netzwerk bekannt:

  • Blind Hiring: Bittet BewerberInnen um einen anonymen Lebenslauf, also ohne Angaben zum Namen, zum Geschlecht, zur Herkunft und zum Alter. Auch ein Foto sollte beim Blind Hiring nicht verlangt werden. Auf diese Weise gelingt es, neue Teammitglieder allein auf Basis ihrer Qualifikation und Erfahrung zu finden.
  • Barrierefreier Arbeitsplatz: Ein barrierefreier Arbeitsplatz ist für Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen besonders wichtig. Damit ist nicht nur die physische Barrierefreiheit im Sinne von Rampen und behindertenfreundlichen Badezimmern gemeint, sondern auch die digitale Barrierefreiheit. Achte daher darauf, dass der Online-Auftritt deines Unternehmens problemlos zugänglich ist.
  • Inklusionsrat: Ein Inklusionsrat (oder in kleineren Unternehmen zumindest eine Ansprechperson) garantiert, dass Inklusion und Diversität immer wieder thematisiert werden. Das kann unangenehm sein, ist aber unerlässlich für den stetigen Fortschritt.
  • Safe Space: Ein gutes Diversity Management schafft Safe Spaces, also sichere Orte, an denen sich Teammitglieder austauschen können. Auch Führungskräfte sollten vertrauensvoll zur Verfügung stehen, um über Herausforderungen im Bereich Diversität und Inklusion zu sprechen.
  • Kultur der Anerkennung und Wertschätzung: Eine der besten Möglichkeiten, dein Unternehmen inklusiver zu gestalten, ist die Arbeitskultur. Achte darauf, alle Teammitglieder zu wertschätzen und sie anzuerkennen. So entsteht Vertrauen, das wiederum zu mehr Motivation und gegenseitigem Respekt führt.

 

Das Wirtschaftsmagazin Forbes nennt ganz ähnliche Tipps für eine inklusive Arbeitskultur. Dazu gehört neben der ständigen Aus- und Weiterbildung auch ein sicheres, unterstützendes Umfeld. Mit gemeinsamer Verantwortung, Ehrlichkeit und der Bereitschaft, stets mehr zu lernen, bist du bereits auf einem guten Weg.

 

Respekt, Wertschätzung und Vertrauen sind die drei Grundsäulen für ein diverses, inklusives Unternehmen.

 

Welche Rolle habe ich als Change Agent?

In unserem Squared Online Kurs lernst du, wie du als Change Agent in Unternehmen, aber auch überall anders für mehr Diversität, Inklusion und Weltoffenheit sorgen kannst. Denn dies ist sowohl für eine  Führungskraft als auch MitarbeiterInnen eine ganze besondere Verantwortung. Change bedeutet eben mehr als nur die Optimierung der Unternehmensabläufe. Der Begriff steht auch für eine Arbeitskultur, die modern, divers und aufgeschlossen ist, um Inklusion zu ermöglichen.

 

Die folgenden Strategien machen dich zu einem guten Change Agent im Sinne des Diversity Managements:

  • Behandle dein Team stets mit Respekt. So ermutigst du alle MitarbeiterInnen und KollegInnen, sich zu Wort zu melden und Ideen zu teilen.
  • Verlasse dich auf die Stärken deines Teams. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, in der die Führungskraft auch mal anderen Teammitgliedern die Zügel übergibt, führt zu hervorragenden Ergebnissen und Innovationen.
  • Gehe mit gutem Beispiel voran. Das heißt, dass du eine offene und vertrauliche Arbeitsatmosphäre schaffst und nicht nur Diversität predigst, sondern sie auch lebst. Lerne dafür von deinen Teammitgliedern.
  • Setze auch nach außen ein Zeichen. Du kannst etwa die Charta der Vielfalt unterzeichnen. Teile zudem auf sozialen Medien oder in Newslettern, wie Diversität und Inklusion in deinem Unternehmen umgesetzt werden.

 

Indem du dich das ganze Jahr über für Diversität und Inklusion einsetzt, lebst du die Werte des Pride Month. Diese beziehen sich nicht nur, aber auch auf die LGBTIQ+ Community. In enger Zusammenarbeit mit deinem Team kannst du Change promoten und für einen fairen, respektvollen und inklusiven Arbeitsplatz sorgen. So wird Diversität zu einer Selbstverständlichkeit und du bist bestens auf eine kunterbunte Zukunft vorbereitet. Mehr dazu, wie du ein guter Change Agent bist, lernst du im Squared Online Kurs – wir freuen uns auf dich!