Wie können Hilfsorganisationen die Chancen der Digitalisierung nutzen?

Geschrieben von Theresa Glöde - veröffentlicht am 16.02.2018 18:00:58

Die Digitalisierung bietet für Non-Profit-Organisationen ganz neue Möglichkeiten, um zivilgesellschaftliches Engagement zu fördern, sich weltweit zu vernetzen und die eigene Arbeit effektiver und wirkungsvoller zu gestalten. Squared Online Absolvent und Stipendiat Linus Mandl verantwortet die Online-Kommunikation bei der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. im Landesverband Niedersachsen/Bremen.


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Im Interview spricht Linus Mandl über seine Erfahrung mit dem Programm sowie die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung von Hilfsorganisationen.

Linus, wie können wir uns deinen Arbeitsalltag in der Online-Kommunikation bei den Johannitern vorstellen?

Im Landesverband Niedersachsen/Bremen bin ich für die strategische Umsetzung und Ausrichtung der Online-Kommunikation zuständig. Für die Kollegen aus den einzelnen Regional- und Ortsverbänden bin ich zudem Ansprechpartner bei der Umsetzung von bundesweiten Digital Strategien und Kampagnen, wie z. B. Google AdWords. Ich kümmere mich um das Content Marketing der unterschiedlichen Online-Auftritte des Landesverbands Niedersachsen/Bremen der Johanniter-Unfall-Hilfe und betreue Social-Media Auftritte und das Community Management für die Landesgeschäftsstelle.

Und wie kam es zu deiner Entscheidung, an Squared Online teilzunehmen?

Meine Position in der Online-Kommunikation gab es vor meinem Antritt noch gar nicht. Der Bereich wurde zuvor von den Kollegen aus der PR- und Öffentlichkeitsarbeit mitgetragen. Weil es hier aber einen starken Wunsch nach Professionalisierung gab, wurde eine eigene Stelle geschaffen, auf die ich mich beworben hatte. Diese Phase des internen Umbruchs war für mich persönlich sehr spannend, da alles sehr neu war und es viele Herausforderungen gab, wie z. B. die Fragen: Wie können digitale Strukturen in einer so großen Organisation wie den Johannitern geschaffen werden? Oder wie stelle ich mich strategisch und konzeptionell auf, um hier intern Erfolge zu erzielen? In einer Hilfsorganisation gibt es ja auch sehr unterschiedliche Ebenen. Neue Strukturen sind auch immer mit einer innenpolitischen Diskussion verbunden. Das war auch der Grund, warum ich mich strategisch noch stärker ausrichten wollte und mich deshalb für Squared Online entschied. Das Digital Marketing und Leadership Programm beschäftigt sich ja mit genau dieser Meta-Ebene: Online-Kommunikation für ein Unternehmen aus strategischer und nicht nur aus operativer Sicht. Auf Squared Online bin ich über den Think with Google-Newsletter aufmerksam geworden.

Wurden deine Erwartungen an Squared Online erfüllt?

Mir hat Squared Online wirklich sehr gut gefallen. Allerdings sollte man sich vorab darüber im Klaren sein, dass die Teilnahme sehr viel Selbstdisziplin und Selbstmotivation erfordert. Wer sich aber darauf einlässt, kann von dem Programm überaus profitieren. Insbesondere hat mir die interaktive, virtuelle Teamarbeit gefallen und die Möglichkeit, dadurch ganz unterschiedliche Menschen kennenzulernen und relevante Kontakte zu knüpfen. Da ich aus einer Hilfsorganisation komme, ist es auch sehr spannend zu sehen, wie die Online-Kommunikation bei jemandem funktioniert, der z. B. in einem Kreditinstitut oder mittelständischen Unternehmen tätig ist. Das sind ganz andere Herangehensweisen. Außerdem gefiel mir das eigenständige Erarbeiten von Inhalten neben den wöchentlichen Live Classes sehr gut. Im Vergleich zu anderen Online-Weiterbildungen sind dies meiner Meinung nach wesentliche Punkte, die Squared Online auszeichnen.

Was hast du aus dem Programm für dich mitgenommen?

Sehr hilfreich war für mich der Einblick in die unterschiedlichen Diskurse, die im digitalen Marketing stattfinden. Insbesondere die Thematik der Attribution fand ich sehr spannend und damit die Fragen: Wie kann ich unterschiedliche Online Marketing Maßnahmen miteinander kombinieren, aufeinander abstimmen und auswerten? Was ist der "State-of-the-art" im digitalen Marketing? Und wie kann ich passende Strukturen schaffen, um gewisse Aktivitäten effizient zu gestalten? In den Live Classes von Branchenexperten über Trendthemen zu erfahren und zu lernen, hat mich für meine tägliche Arbeit sehr gestärkt.

Die digitale Transformation ist überall und macht auch vor evangelischen Hilfsorganisationen wie der Johanniter-Unfall-Hilfe nicht halt. Worin bestehen die größten Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung?

Wir verstehen uns selbst als Netzwerker für die Menschen. Durch die Digitalisierung erhalten wir aber nun auch die Chance, uns als solche wirklich zu positionieren. Wenn wir unsere Markenidentität auch im digitalen Zeitalter finden und stärken, denke ich, dass wir über die Online-Kommunikation ganz neue Zielgruppen ansprechen können. Wir sind kein typisches Wirtschaftsunternehmen und haben Ingenieure bei uns sitzen, die für uns innovative Technologien entwickeln. Wir sind eine Hilfsorganisation. Was uns ausmacht, ist der enge Kontakt zu ganz unterschiedlichen Menschen und die Arbeit mit ihnen. Menschen, die z. B. bedürftig sind und soziale Leistungen für sich in Anspruch nehmen. Wenn wir es also schaffen, unser Wissen und unsere Kompetenzen aus dem sozialen Bereich in das digitale Zeitalter zu transportieren, dann bin ich davon überzeugt, dass wir auch die digitale Transformation meistern werden und uns als Hilfsorganisation zukünftig sehr gut aufstellen werden.


Wir verstehen uns selbst als Netzwerker für die Menschen. (...) Wenn wir es also schaffen, unser Wissen und unsere Kompetenzen aus dem sozialen Bereich in das digitale Zeitalter zu transportieren, dann bin ich davon überzeugt, dass wir auch die digitale Transformation meistern werden (...).

Linus Mandl, Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.


Und wie kannst du in diesem Zuge das Gelernte in deinem Arbeitsalltag nutzen?

Das Programm hat mir den Überblick über das digitale Marketing verschafft. Sowie ein Verständnis dafür, wie Marketing aktuell funktioniert und welche Bedeutung aktuelle Trends im Marketing haben. In meiner täglichen Arbeit erleichtert mir das z. B. enorm die Kommunikation mit Agenturen auf Augenhöhe. Weil ich jetzt viel besser die Terminologie dahinter verstehe. Also in welchen Bereichen Online-Kommunikation überhaupt gedacht und verstanden werden muss.

Eine letzte Frage: Wem empfiehlst du das Digital Marketing und Leadership Programm weiter?

Zukünftigen Teilnehmern möchte ich mit auf den Weg geben, dass sich das Programm definitiv lohnt. Wer sich darauf einlässt und die Inhalte nicht bloß konsumiert, sondern sich engagiert, wird es am Ende des Tages merken. Weil Squared Online sehr viel Input bedeutet. Von fachlichen Themen, über Online Marketing Trends bis hin zu der Frage: Wie führe ich Teams im digitalen Zeitalter? Und weil man viele unterschiedliche Menschen kennen lernt und Kontakte zu Branchenexperten knüpfen kann. Im Grunde kann jeder für sich passende Inhalte aus dem Programm herausziehen, davon profitieren und im Bereich Online dazulernen.

Themen: Squared Insights, Interview

Theresa Glöde

Geschrieben von Theresa Glöde

Theresa Glöde ist Marketing Managerin Content & Social Media bei AVADO Learning GmbH, Experte für virtuelles Lernen rund um die Digitale Transformation. Auf dem Squared Online & AVADO Learning Blog schreibt sie unter anderem über digitale Marketing Trends, Digital Leadership und New Work.