Thomas Langel: "Durch das Weiterbilden ohne jegliche Präsenz geht der Zwang der Etikette verloren"

Posted by Theresa Gloede on 27.09.2017 12:21:20

Mehr als 15 Jahre Online-Erfahrung brachten Thomas Langel, Projektmanager im Bereich Online Marketing bei Otto GmbH & Co KG, im September 2016 zu Squared Online, wo er seither außerdem als Speaker tätig ist. Aktuell lehrt Thomas den “Squares” die Modulthemen Search und Data

Im Interview verrät er uns, wie Suchmaschinenmarketing (SEM) heute sowie in Zukunft funktioniert und warum das Thema Datenschutz sowohl Fluch als auch Segen ist.

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Vor einem Jahr fand die erste Live Class von Squared Online im deutschsprachigen Raum statt... Was konntest du aus deiner Speaker-Tätigkeit bisher vor allem mitnehmen?

Durch den Austausch mit den “Squares” oder was am Markt passiert, stelle ich immer wieder fest: ich kann selbst sehr viel Neues dazulernen. Außerdem finde ich das Format Squared Online selbst sehr spannend. Durch das online weiterbilden ohne jegliche Präsenz geht der “Zwang der Etikette” verloren. Das gibt einem die Möglichkeit, sich frei von Formalitäten wirklich nur auf den Kurs und die Inhalte zu konzentrieren. Ich habe vor einigen Jahren auch selbst neben dem Beruf eine Weiterbildung zum Kommunikationswirt gemacht - damals noch mit Präsenz am Abend in einer Vorlesung. Heute würde ich sowas viel lieber komplett online machen.

Wer bei Squared Online teilnehmen möchte, sollte…?

Vor allem sollte man bereit sein, diese Umgangsform - das nur online - zu akzeptieren, als Vorteil zu sehen und es sich zu Nutze machen. Wer bei Squared Online teilnimmt, muss Bereitschaft zeigen, auf diese Weise Wissen schneller und effektiver aufzubauen. Personen, die vor allem Frontalunterricht gewohnt sind, müssen sich da natürlich umorientieren. Denn es ist eine ganz andere Art, Dinge zu lernen und zu erarbeiten.

Seit mehr als 15 Jahren bist du im Bereich Online Marketing tätig. Gibt es dort Entwicklungen, die du besonders wahrnimmst?

Durchaus - das Thema Datenschutz, das uns in der Branche aufgrund der Digitalisierung wahrscheinlich auch ständig mit begleiten wird. In Deutschland und Europa stärker als anderswo. Datenschutz ist sowohl Fluch als auch Segen: denn dadurch bleiben wir auch in den Entwicklungen stecken. Aber dennoch denken wir in Deutschland ja richtig: unsere Privatsphäre ist ein sehr wichtiges Gut.

Am 13. und 14. September fand die Dmexco statt, Europas führende Messe für digitales Marketing und Werbung. Über welche Digital Marketing Trends werden wir auch noch in 5 Jahren sprechen?

Was aktuell sehr viel stärker wird, ist das Thema Artificial Intelligence. Außerdem Mobile: das ist für mich persönlich ein ewiger Trend. “Mobile sei das nächste große Ding” hörte man bereits 2006 auf der Dmecxo in Düsseldorf, als sie damals noch OMD hieß. Und auch heute hört man das gleiche in den Vorträgen. Es gibt noch so viel Entwicklungspotential der mobilen Endgeräte, was dann wiederum andere Trends lostreten wird. Mobile in AI kann ja z.B. auch als Trend bezeichnet werden.

Und was bedeutet Arbeiten in der digitalen Arbeitswelt für dich?

Digital ist sehr vielfältig, abwechslungsreich und eröffnet einem die Chance, in sehr vielen Bereichen zu arbeiten - weshalb der Beruf auch entsprechend viel Spaß macht. Ich bin sehr zufrieden mit der Branche. Auch weil sie sehr viele Austauschmöglichkeiten bietet, z.B. durch Veranstaltungen wie die Dmexco, wodurch man am Gesellschaftsgeschehen auch sehr nah dran ist.

Es heißt, Deutschland hat beim Thema Digitalisierung Nachholbedarf. Welchen “Hausaufgaben” sollten wir uns insbesondere widmen?

Beim Thema digitale Infrastruktur und dem Glasfaser-Ausbau müssen wir noch sehr viel nachholen. In einem Vortrag auf der FTTH (Fiber To The Home Conference) in Marseille im Februar 2017 hieß es, dass Deutschland hier den vorletzten Platz in Europa belegt. Auf dem ersten Platz ist interessanterweise Lettland und auch andere Länder, die man hier nicht vermuten würde, liegen unter den Top 5. Deutschland gilt sonst weltweit als Vorreiter, gerade aufgrund der Industrialisierung, aber beim Thema “digital” stehen wir häufig noch am Anfang.

Ein weiteres Thema ist die Bildung bzw. Ausbildung, wo wir uns noch stärker Richtung digital orientieren müssen. Hier bieten wir ja noch sehr wenig an. Schauen wir uns Deutschland an, ist es ja vor allem ein Ingenieurs-Land. Aber auch da wurde das Thema Digital verschlafen. Ich denke da zum Beispiel an den Skandal mit der Diesel-Software: hier wurde das Thema Digital wohl eher missverstanden. Es gibt so vieles, was man digital oder zum Thema Vernetzung machen kann; dass Autos miteinander kommunizieren, Unfallprävention, etc.... Da sind wir aber einfach hinterher und monieren lieber das Spaltmaß bei von TESLA gefertigten Autos.

Wie funktioniert Suchmaschinenmarketing (SEM) heute und wie in Zukunft?

Das ist eine spannende Frage - da muss ich auch ein wenig raten. Wenn man die Frage auf Deutschland begrenzt, entscheidet im Grunde Google, wie SEM heute funktioniert. Denn Google ist mit 95 Prozent Marktanteil führend beim Suchmaschinenmarketing (SEM). Wahrscheinlich wird Google auch in 10 Jahren noch den Ton angeben. Was man aber merkt, ist, dass Google in den letzten Jahren versucht hat, sich neu aufzustellen. Google kennt aufgrund von Artificial Intelligence oder Smart Assistants immer mehr Nutzeraktivitäten bzw. -intentionen und gibt diese Daten dann auch an die Retailer und Advertiser weiter. Zukünftig wird man die Nutzer also nicht mehr nur über die Suche erreichen, sondern Anzeigen oder etwas wie Anzeigen werden auch in neuen Formaten erscheinen, z.B. auf dem Smartphone, der Smartwatch oder den Smart Assistants - auf allen Geräten läuft ja Google’s Betriebssystem Android.

Gemeinsam mit Marc Hoeft moderierst du außerdem SEM fm: einen monatlichen Podcast zu Science-, Entertainment & Marketingthemen. Wie informierst du dich und bildest dich in deinem Alltag fort?

Podcasts höre ich selbst sehr viel. Da kann ich besonders “This Week in Google” (TWiG) mit Leo Laporte, Jeff Jarvis und Stacey Higginbotham empfehlen. Wenn man sich über aktuelle Themen im Performance-Marketing und Social Media informieren möchte, sind die drei sehr stark an der Gegenwart und Zukunft dran. Was ich auch mache, ist, dass ich eine Ansammlung an Nachrichtenseiten habe, die ich dann im Grunde morgens beim ersten Kaffee durchforste: z.B. Ars Technica, TechCrunch oder The Next Web.

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(Das Interview wurde telefonisch durchgeführt)

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