Die 3 Schlüssel für mehr Mitarbeiter Empowerment

Geschrieben von Theresa Glöde - veröffentlicht am 05.09.2018 14:26:03

Empowerment ist das Instrument, wenn es darum geht, Mitarbeiter nachhaltig zu motivieren. In Zeiten fortschreitender Digitalisierung gilt es für Unternehmen als Schlüssel für langfristigen Erfolg. Lesen Sie, wie Empowerment als fester Bestandteil der Unternehmenskultur funktioniert und welche 7 Schritte auf dem Weg zu mehr Empowerment dabei unterstützen, dass Ihre Mitarbeiter über sich hinauswachsen.

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Die Welt verändert sich – und die Art und Weise wie wir arbeiten und leben mit ihr. Mit dem technologischen Fortschritt entstehen in einem noch nie dagewesenen Tempo neue Technologien, Produkte, Dienstleistungen sowie Geschäftsmodelle und sogar ganze Märkte. Auch die Barrieren für den Markteintritt von neuen Playern werden durch die Digitalisierung immer niedriger. Kunden haben eine größere Auswahl an Alternativen. Damit nimmt auch der Wettbewerbsdruck immer weiter zu. Zudem werden Arbeitsinhalte und -abläufe in vielen Branchen immer dynamischer und komplexer. Parallel wandelt sich auch das Kundenbedürfnis immer schneller. Der Kunde hat heutzutage ganz andere Bedürfnisse, als noch vor einem Jahrzehnt. Das wiederum führt dazu, dass unternehmerisches Mitarbeiterengagement immer mehr an Bedeutung gewinnt. Was deutsche Unternehmen tun, um Mitarbeiter zu motivieren, hat z. B. die Unternehmensberatung Kienbaum hier zusammengefasst.

Diese Entwicklung stellt Management und Führungskräfte vor die Aufgabe, die eigenen Mitarbeiter für den digitalen Wandel fit zu machen. Denn als Unternehmenswert sind vor allem die Mitarbeiter gefordert, nicht nur ihre Arbeitsleistung in die Unternehmen einzubringen. Sie sollten sich auch mit dem Unternehmen umfassend identifizieren, soziale und emotionale Kompetenzen einsetzen und als eigenständige sowie durchsetzungsfähige "unternehmerische Persönlichkeiten" agieren. Denn aufgrund des immer stärker werdenden Wettbewerbsdrucks tritt auch die Customer-Centricity-Perspektive immer weiter in den Mittelpunkt. War sie noch vor einigen Jahren ein strategischer Erfolgsfaktor einzelner Dienstleistungsunternehmen, gehört sie aktuell zur Überlebensstrategie ganzer Branchen. Der Kunde möchten sich heutzutage nicht mehr durch Hierarchiestrukturen kämpfen. Er möchte eine Problemlösung – am besten sofort. Ansonsten wechselt er schlagartig zur Konkurrenz. Unternehmerisches Denken und Handeln lässt sich jedoch nicht per Anweisung verordnen. Es entwickelt sich im Zusammenhang mit erweiterten Autonomiespielräumen der Mitarbeiter. So können sie größere Handlungskompetenz entwickeln. Doch wie sind Mitarbeiter langfristig motiviert, um Außergewöhnliches zu leisten und dabei nicht dem Alltagstrott zu verfallen? Hier setzt Empowerment an.

Was ist Mitarbeiter Empowerment? Und wozu dient es?

Geld trägt als extrinsische Mitarbeitermotivation nur bis zu einem gewissen Grad zur Zufriedenheit am Arbeitsplatz bei. Vielmehr ist es die intrinsische Motivation, welche Mitarbeiter antreibt. Empowerment zur Leistungsmotivation von Mitarbeitern stellt dabei kein neues Konzept dar. Die Wurzeln reichen zurück bis in die 20er Jahre, als das Hawthorne-Experiment bei Westinghouse bewies, dass die Mitarbeiterproduktivität steigt, wenn die Menschen ausreichend Anerkennung für ihre Arbeit erhalten. Mit dem Einzug des Managementkonzepts Empowerment in die Unternehmenskulturen, steigt demnach die Produktivität durch Partizipation und Eigenverantwortung der Mitarbeiter. Vor allem durch die Gründerszene vorangetrieben, findet sich Empowerment heute verstärkt auch in Konzernen wieder. Es gilt als wichtige Investition für die Zukunft und als Schlüssel für langfristigen Unternehmenserfolg.

Definition "Empowerment":

Der Begriff "Empowerment" meint, den Einzelnen oder ganze Teams zu etwas zu bemächtigen oder die Vollmacht zu erteilen, etwas zu tun. Empowerment zielt darauf ab, Mitarbeiter mit neuen Kompetenzen und Verantwortung auszustatten. Ziel ist es, die menschlichen Fähigkeiten besser einzusetzen, um in der zunehmend dynamischen Unternehmenswelt zu überleben. 

Empowerment setzt sich aus vier Handlungskompetenzen zusammen:

  • Mitarbeiter erhalten größere Handlungs- und Entscheidungsspielräume. Es werden verschiedene Maßnahmen veranlasst, die das ermöglichen
  • Ausstattung mit den dafür notwendigen Informationen
  • Verbesserung der entsprechenden Qualifizierung
  • Anreizsysteme, um die Mitarbeiter zu veranlassen, die Handlungs- und Entscheidungsspielräume zu nutzen und zielführende Entscheidungen zu treffen

Die 3 Schlüssel für mehr Empowerment:

Buchautor Daniel Pink hat basierend auf Forschungen drei Schlüsselfaktoren definiert, die intrinsische Mitarbeitermotivation begünstigen:

Autonomy

"Autonomy" bedeutet, eigenständige Entscheidungen zu treffen und Verantwortung übernehmen. Die sind für den Antrieb des Mitarbeiters entscheidend. Mit Hilfe der eigenen Informationen und dem Wissen vom Vorgesetzten, erhält der Mitarbeiter die Freiheit, selbst zu entscheiden.

Mastery

"Mastery" bedeutet, dass der Mensch nach Selbstwirksamkeit strebt, die ihn motiviert, seine eigenen Kompetenzen weiterzuentwickeln und zielführend einzubringen. Es beschreibt das Gefühl, in dem, was man tut, sehr gut zu sein.

Purpose

"Purpose" bedeutet, dass Mitarbeiter eine Vision, ein Ziel oder einen Grund bei und für ihre tägliche Arbeitspraxis brauchen. Besonders die Sinnhaftigkeit oder der Nutzen einer Tätigkeit motiviert Mitarbeiter zu Höchstleistung. Viel mehr, als es mit extrinsischen Anreizen wie Geld möglich ist.

Welche Vorteile bietet Mitarbeiter Empowerment?

  • Empowerte Mitarbeiter sehen mehr Sinn in ihrer Arbeit (und damit auch in ihrem Leben), da sie sich mit dem Unternehmen und ihren Aufgaben besser identifizieren
  • Sie sind eher bereit, ihre besten Ideen in die Tat umzusetzen und ihren Arbeitsbereich zu optimieren
  • Interne Synergieeffekte fördern Mitarbeitermotivation nachhaltig
  • Mitarbeiter werden zu Entrepreneuren des eigenen Unternehmens
  • Nährboden für Innovation und Ideenreichtum
  • Beschleunigte Entscheidungen
  • Schlanke interne und externe Prozesse
  • Geballtes Mitarbeiter- sowie Teamwissen
  • Unabhängige Mitarbeiter und Teams. Empowerte Teams erreichen dabei mehr, als der Einzelne
  • Stärkt den Zusammenhalt und die Schaffenskraft des eigenen Teams
  • Positiver Wandel, wie Führungskräfte mit ihren Mitarbeitern umgehen
  • Ermöglicht größtmögliche Identifikation mit der Vision des Unternehmens
  • Fördert soziale und emotionale Kompetenzen
  • Baut traditionelle und hierarchische Strukturen ab und gilt dadurch auch als Motor bei der Transformation hin zu einem digitalen Unternehmen
  • Hierarchien werden durch selbst denkende und selbst handelnde Mitarbeiter und Teams ersetzt

Wie lässt sich Empowerment im Unternehmen umsetzen?

Wenn Mitarbeiter vermehrt selbst entscheiden und handeln sollen, dann müssen sie dazu zunächst befähigt werden. Das sind die wichtigsten 7 Schritte auf dem Weg zu mehr Empowerment im Unternehmen:

Schritt 1: Gehen Sie mit gutem Beispiel voran

Beginnt Empowerment nicht an der Unternehmensspitze, führt die Strategie ins Leere. Management und Führungskräfte sind gefragt, die Rahmenbedingungen für Empowerment voranzutreiben. Sie müssen lernen und verinnerlichen, wie sie künftig mit Mitarbeitern umgehen müssen. Dazu gehört, eine klare Vision und Richtung vorzugeben, wohin die Reise gehen soll. Signalisieren Sie Ihren Mitarbeitern, dass sie das Richtige tun.

Schritt 2: Übertragen Sie schrittweise mehr Verantwortung

Wahrscheinlich ist es naiv zu glauben, dass jeder Mitarbeiter nach mehr Autonomie und Selbstbestimmung strebt. So vielversprechend das Managementkonzept des empowerten Mitarbeiters klingt, kann es Mitarbeiter in vielen Fällen auch überfordern. Übertragen Sie Ihren Mitarbeitern deshalb schrittweise mehr Verantwortung. Schließlich muss es nicht immer gleich die Leitung eines Meilenstein-Projekts sein. Folgende Fragen unterstützen Sie dabei:

  • Wie können meine Mitarbeiter mehr Verantwortung übernehmen?
  • Wie sieht diese Verantwortung aus?
  • Wie viel kann ich meinen Mitarbeitern zutrauen?
  • Wie steht es um die Wünsche und die Erwartungshaltung meiner Mitarbeiter?

Schritt 3: Etablieren Sie Transparenz, Offenheit und Informationsvermittlung auf Augenhöhe und bauen Sie Hierarchie ab

Mitarbeiter, die nicht informiert sind, können nicht verantwortungsvoll handeln. Denken und gestalten Sie deshalb den Informationsfluss transparent. Lassen Sie dabei traditionelle, hierarchische Strukturen außen vor. Etablieren Sie ein Wissensmanagement, das Wissen nicht auf oberster Ebene kumuliert, sondern an die Basis weitergibt. Wenn alle dieselben Informationen erhalten, fördert dies zudem das Vertrauen innerhalb der gesamten Organisation. Umfassende Informationen, wie z. B. über Unternehmensvision, Gewinn und Marktanteile, versetzen Mitarbeiter erst in die Lage, die Strategien und Aktionen des Unternehmens nachzuvollziehen und das eigene Handeln dahingehend auszurichten.

Schritt 4: Schaffen Sie Autonomie durch Abgrenzung

Sobald die Mitarbeiter mit den nötigen Informationen ausgestattet wurden, müssen Sie die neue Art und Weise der Zusammenarbeit definieren. Hier kommt es darauf an, durch Abgrenzung Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Fähigkeiten in eine bestimmte Richtung zu lenken und in das Gesamtbild des Unternehmens zu integrieren. Ziel ist es, dass am Ende jeder Einzelne erkennt, wer und mit welcher Rolle, wo und wie die eigene Leistung zur Gestaltung des Gesamtbildes des Unternehmens beiträgt. Die neue Autonomie und die klare Abgrenzung innerhalb des Unternehmen fördert Strukturen und Prozesse, die den Mitarbeiter empowern.

Schritt 5: Etablieren Sie eine offene Feedback- und eine positive Fehlerkultur

Sie werden merken, dass jeder Mitarbeiter unterschiedlich mit der neuen, empowerten Situation umgeht. Aus diesem Grund ist der stetige Austausch über Workflows, Strukturen und Prozesse wichtig. Er schafft nicht nur gegenseitiges Vertrauen und gemeinsame Erfolgserlebnisse. Der regelmäßige Austausch beugt auch Unzufriedenheit und Überforderung vor oder räumt diese sogar aus. Wer eine Unternehmenskultur etabliert, benötigt auch eine Umgebung, in der konstruktives Feedback und der offene und transparente Umgang mit Fehlern möglich ist.

Schritt 6: Ermöglichen Sie flexible Arbeitsbedingungen und Freiräume zur Weiterentwicklung

Haben die Mitarbeiter die Möglichkeit, sich neben dem täglichen Arbeitsanfall mit relevanten Themen außerhalb ihres gewohnten Arbeitsumfeldes zu beschäftigen, wie im Rahmen einer Weiterbildung, eines Events oder Hackathons. Ganz gleich ob im Unternehmen oder extern – kann sich hieraus ein wichtiger Nährboden für neue Ideen, Innovation und Motivation entwickeln. Auch flexible Arbeitsmodelle sollten ganz im Sinne der Mitarbeitermotivation ein Teil der Unternehmenskultur sein. Insbesondere durch den Eintritt der Generation Z auf den Arbeitsmarkt, werden Home Office, Remote Work oder Sabbaticals immer wichtiger, um den Bedürfnissen der Mitarbeiter nachzukommen, sie langfristig zu motivieren und zu binden. All das dient dem langfristigen Unternehmenserfolg.

 


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Schritt 7: Ermutigen Sie Ihre Mitarbeiter, ihre Komfortzone zu verlassen

Empowerment kann den einen oder anderen in seiner Arbeit hemmen. Zu groß kann die eigene Angst vor negativen Erfahrungen oder Versagen sein. Unternehmerisches Denken und Handeln bleibt dann ebenso auf der Strecke, wie die persönliche Mitarbeiterentwicklung. Dies gilt es zu überwinden, indem Mitarbeiter Unterstützung dabei erhalten, ihre Komfortzone zu verlassen und Grenzen zu durchbrechen. Von Führungskräften erfordert dies auf der einen Seite vor allem Fingerspitzengefühl. Wichtig sind auch der stetige Dialog und die Auseinandersetzung mit den individuellen Bedürfnissen der Mitarbeiter. Etablieren Sie daher eine Unternehmenskultur, die Ihre Belegschaft dazu ermutigt, sich stets neuen Herausforderungen zu stellen und sorgen Sie dafür, dass sie diese neuen Herausforderungen gleichermaßen meistern können.

 

Fazit

Mitarbeiter Empowerment funktioniert nicht von heute auf morgen. Es erfordert insbesondere die Bereitschaft von Management und Führungskräften, sich auf neue Denk- und Arbeitsweisen einzulassen. Wer loslassen kann und Mitarbeitern sowie ganzen Teams ausreichend Raum für selbstständiges Arbeiten und Entscheiden einräumt, wird am Ende umfassend belohnt. Mitarbeiter können so zu Entrepreneuren im eigenen Unternehmen werden. Aber kein Grund zur Sorge: Ihre Rolle als Führungskraft brauchen Sie nicht zu fürchten. Vielmehr werden Sie als Chef noch viel sichtbarer. Immerhin bleibt Ihnen jetzt mehr Zeit und Raum für wesentliche Führungsaufgaben.


Auch bei Squared Online lernen die Teilnehmer, wie sich Mitarbeiterengagement positiv auf Unternehmen auswirkt und wie sie die Herausforderungen der fortschreitenden Digitalisierung meistern können. Weitere Informationen über das Digital Marketing und Leadership Programm erhalten Sie hier:

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Themen: Marketing Leadership

Theresa Glöde

Geschrieben von Theresa Glöde

Theresa Glöde ist Marketing Managerin Content & Social Media bei AVADO Learning GmbH, Experte für virtuelles Lernen rund um die Digitale Transformation. Auf dem Squared Online Blog schreibt sie unter anderem über digitale Marketing Trends, Digital Leadership und New Work.