Wie gelingt die erfolgreiche Führung von fünf Generationen?

Geschrieben von Franca Garff - veröffentlicht am 05.07.2018 11:33:33

Mit dem Eintritt der Generation Z in die Arbeitswelt, besteht die Arbeitnehmerschaft erstmals aus fünf unterschiedlichen Generationen. Unternehmen sind zunehmend gefordert, eine Arbeitsumgebung zu schaffen, in der sich jede Generation wohl fühlt. Wir geben Tipps, wie die Führung von fünf Generationen gelingt.

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Demografischer Wandel und Fachkräftemangel erfordern Generationenmanagement

Lange Zeit wurde im Personalmanagement und in der Unternehmensführung dem Umgang mit unterschiedlichen Generationen oder der Zusammenarbeit zwischen den Generationen wenig Beachtung geschenkt. Angesichts des demografischen Wandels, der alternden deutschen Belegschaft sowie dem zugespitzten "War of Talents", müssen Unternehmen jetzt handeln, wenn sie auch in Zukunft als Arbeitgeber attraktiv sein möchten. Erfolgreich können Unternehmen zukünftig nur dann sein, wenn sie sich rechtzeitig auf die verschiedenen Generationen in der Arbeitswelt einstellen und dabei die intergenerative Zusammenarbeit fördern.

Neben den Bemühungen im Gesundheitsmanagement, die arbeitsrelevante Leistungsfähigkeit der Beschäftigten zu erhalten, nimmt deshalb auch die Bedeutung des Generationenmanagements immer weiter zu. Ziel des Generationenmanagements ist es, den unterschiedlichen Mitarbeitergenerationen in einem Unternehmen optimale Voraussetzungen für die Arbeit zu bieten und damit die Produktivität und Zufriedenheit der Mitarbeiter zu steigern. Es wird auf die spezifischen Bedürfnisse jeder Generation eingegangen, wonach diese dann ausgleichend zusammengeführt werden. Die Arbeitgeberattraktivität steht dabei im Mittelpunkt.

Wenn unterschiedlicher Mitarbeiter-Generationen zusammenarbeiten, entstehen sowohl Chancen als auch Konfliktpotenziale, die es zu meistern gilt: mit Hilfe von Rahmenbedingungen, die dafür sorgen, das die Mitarbeiter fähig und bereit sind, auch in Zukunft ihren vollen Einsatz zu leisten. Unternehmen müssen sich auf die Bedürfnisse ihrer älteren Mitarbeiter einstellen, z. B. indem sie Gesundheitsprogramme etablieren. Auch gilt es, den Wissens- und Erfahrungsstand der Baby Boomer rechtzeitig zu sichern, bevor sie das Unternehmen altersbedingt verlassen. Auf der anderen Seite müssen Unternehmen neue Strategien entwickeln, um junge Arbeitnehmer zu gewinnen und langfristig zu binden.

Definition Generationenmanagement

Der Begriff "Generationenmanagement" wurde von Ralf Overbeck Anfang der 1980er-Jahre etabliert. Er bezeichnet eine besondere Form der nachhaltigen Unternehmensführung. Nach der Definition von Overbeck bedeutet Generationenmanagement:


"Eine Sinnstiftende und adressatengerechte Menschenführung und somit Unternehmensführung auf der Basis gegenseitigen Respekts und gegenseitiger Wertschätzung aller in einem Unternehmen vertretenen Generationen und deren Lebensleistungen mit dem Ziel einer generationsübergreifenden Vertrauenskultur und nachhaltigen Geschäftsentwicklung."


Wer sind die 5 Generationen auf dem Arbeitsmarkt?

Unsere Übersicht über die fünf Generationen auf dem Arbeitsmarkt möchte bietet erste Anhaltspunkte für das Generationenmanagement im Unternehmen:

1. Die Generation der Traditionalisten

Die sogenannten “Traditionalisten” haben ein großes Vertrauen in die Management-Entscheidungen. In der Arbeitswelt können sie mit ihrer langjährigen Erfahrung überzeugen. Die bis 1945 Geborenen gelten unter den fünf Generationen zudem als die loyalsten Arbeitnehmer, da sie eine starke Arbeitsmoral aufweisen und ihr Privat- nicht mit dem Arbeitsleben vermischen wollen. Sie besitzen ein starkes Pflichtbewusstsein und sind Verfechter von Kontinuität im Unternehmen und erwarten diese Einstellung auch von ihrem Arbeitgeber. Ein sicherer Arbeitsplatz in einem beständigen Unternehmen ist die durchschnittliche Erwartungshaltung eines Traditionalisten. Die Traditionalisten arbeiten gerne unter der Führung einer Person, die ihnen klar vorgibt, was sie zu tun haben. Während die jüngste Generation Z sich dem Unternehmen anschließt, verlässt die älteste Generation langsam das Unternehmen oder befindet sich bereits im Ruhestand.

2. Die Generation der Baby Boomer

Die Generation der “Baby Boomer” macht derzeit den größten Anteil der Weltbevölkerung aus. Sie fokussieren sich auf ihre persönlichen Karriereziele, können sich schnell in Teams integrieren und übernehmen gerne Führungspositionen. Der größte Anteil der Führungskräfte wird aktuell von der Generation der Baby Boomer besetzt, womit sie aktuell maßgeblich unser gesellschaftliches Leben bestimmen. Das persönliche Gespräch als Kommunikationsweg ist für die zwischen 1945 bis 1965 Geborenen im Unternehmen am wichtigsten. Die Baby Boomer Generation bevorzugt eine Führungskraft, welche die übergeordneten Strategien und Entscheidungen vorgibt, während die Mitarbeiter Verbesserungsvorschläge machen können. Die endgültige Entscheidung wird vom Teamleiter getroffen.

3. Die Generation X

Die Generation X ist mit dem Fernsehen groß geworden und arbeitet z. B. gerne mit der Visualisierung von Prozessen. Die Generation X wurde durch die neuen Technologien geprägt, die sie in ihrem Arbeitsalltag nutzt und zur Kommunikation einsetzt. Sie haben das Bedürfnis, Arbeit und Familie miteinander zu vereinbaren und erwarten von Führungskräften und Unternehmen Verständnis und Konzepte für New Work Modelle. Außerdem wünschen sie sich, dass großer Wert auf die Meinung und die Mitarbeit des gesamten Teams gelegt wird. Ihnen gefällt es, Verantwortung zu übernehmen und sie legen Wert darauf, sich im Team gegenseitig zu motivieren - gelenkt durch die Führungskraft.

4. Die Generation Y

Die Generation Y, auch als Millenials betitelt, haben einen großen Wissensdurst und möchten sich ihr Leben durch Technologien und Innovationen vereinfachen. Sie sind sehr behütet aufgewachsen und benötigen von den älteren Generationen teilweise strukturelle Vorgaben oder Beratung bei der Berufswahl. Die Millenials sind die Generation, die das Umdenken in der Arbeitswelt fordert: Sie möchten flexible Arbeitszeiten und z. B. die Möglichkeit, auch im Home Office zu arbeiten. Die Führung und die Zusammenarbeit mit der Generation Y basieren auf einem Vertrauensverhältnis, dem Teilen von Informationen und der Optimierung von bestehenden Arbeitsprozessen. Diese Generation spricht ihre Bedürfnisse, Wünsche und Kritik an Job und Arbeitgeber offen an. Sie legt einen großen Wert auf die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit und möchte dabei vor allem auch Spaß empfinden. Aus diesem Grund vertritt die Generation Y besonders häufig neuere Arbeitsmodelle. Außerdem sind sie oftmals als Freelancer/Selbstständige tätig, um sich ihre Arbeit selbst aussuchen und einteilen zu können. Von Führungskräften erwartet die Generation Y vor allem Handlungsautonomie und Freiräume. 

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5. Die Generation Z als die jüngsten Arbeitnehmer

Während sich viele Unternehmen mit flexiblen Arbeitszeiten, Home-Office und sozialen Netzwerken am Arbeitsplatz mittlerweile auf die Generation Y eingestellt haben, betritt mit der Generation Z eine neue, vollständig andersdenkende Generation die Arbeitswelt. Bereits seit Kindesalter bewegen sich die ab 1996 Geborenen wie selbstverständlich im World Wide Web und eignen sich wie selbstverständlich schnell technische und digitale Kompetenzen an. Die Art und Weise, wie die jüngste Generation kommuniziert, wird insbesondere durch die Digitalisierung und das erweiterte Medienrepertoire geprägt. Soziale Netzwerke, der konstante Nachrichtenaustausch und das Teilen von Inhalten wird von der Generation Z nicht als Teil des Jobs gesehen, sondern als Teil ihres Lifestyles.

Die jüngste Generation ist sich darüber bewusst, dass durch die Digitalisierung die Arbeit immer und von überall möglich ist. Für die Generation Z bedeutet dies jedoch nicht, dass die Arbeit die Arbeit nach Feierabend mit nach Hause oder in den Urlaub mitgenommen wird. Die Generation Z möchte gezielt zwischen Beruf und Privatleben differenzieren. Diese klare Trennung gilt für sie z. B. auch in den sozialen Netzwerken. Während sie XING, LinkedIn und teilweise auch Facebook für rein berufliche Kontakte nutzen, stellen sie sich und ihr Privatleben gerne auf Instagram und Snapchat zur Schau. Selten vermischen sich die Inhalte in den verschiedenen sozialen Netzwerken.


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10 Tipps für die erfolgreiche Führung von 5 Generationen

Wer den Einstieg in das Generationenmanagement wagt und Maßnahmen zur Förderung der intergenerativen Zusammenarbeit ergreift, sollte zunächst die individuellen Anforderungen an den Job und das Unternehmen sowie die Wünsche zur Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben der unterschiedlichen Mitarbeiter-Generationen erheben. Außerdem sollte der unterschiedliche Wissens- und Erfahrungsstand der Generationen abgefragt und festgehalten werden, um anschließend Maßnahmen für den erfolgreichen Wissenstransfer zwischen den Generationen zu gewährleisten. Darüber hinaus gilt es, die Konfliktpotenziale zwischen den Generationen zu identifizieren.

Wir geben Tipps, wie das Führen im 5-Generationen-Unternehmen gelingen kann:

  1. Etablieren Sie eine Führungs- und Organisationskultur, die auf Verständnis und Wertschätzung beruht. Versuchen Sie, dabei die Erwartungen, Bedürfnisse und Wünsche jeder Generation zu verstehen und ernst zu nehmen und vermitteln Sie direkt bei Missverständnissen.
  2. Etablieren Sie eine offene und transparente Feedback-Kultur, welches das Informations- und Feedback-Verhalten sowie die Ansprüche der fünf Generationen berücksichtigt. Führen Sie regelmäßig intergenerative Feedback-Gespräche.
  3. Bieten Sie individuelle Karriere-, Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten an. Hierzu gehört auch das Gesundheitsmanagement, welches das Ziel hat, die lebenslange Leistungsbereitschaft sicherzustellen.
  4. Bieten Sie für das Management Schulungsmöglichkeiten als verpflichtendes Qualifizierungsangebot an, welches das Verständnis für Stärken und Anforderungen der einzelnen Generationen fördert. Für ein erfolgreiches Generationenmanagement ist vor allem die Akzeptanz seitens der Führungskräfte essenziell. 
  5. Bieten Sie die Möglichkeit zu flexiblen Arbeitszeiten, flexibler Arbeitseinteilung und individuellen Arbeitsbedingungen an, um insbesondere die jüngeren Generationen anzusprechen.
  6. Bieten Sie verschiedene Kommunikationskanäle an, aber etablieren Sie eine klare interne und externe Unternehmenskommunikation, über die generationsübergreifend kommuniziert werden kann.
  7. Bilden Sie intergenerative Teams. Das Personalmanagement sollte bei der Personalplanung alle Generationen berücksichtigen, selbstverständlich in Abhängigkeit von der jeweiligen Aufgabe, da durch unterschiedlichen Stärken, Kompetenzen und Erfahrungen in Teams neue Ideen und Denkweisen entstehen, die wiederum den Innovationsgeist fördern können. Darüber hinaus können sich durch generationsübergreifende Teams die Stärken der einzelnen Generationen im Arbeitsprozess kennenlernen lassen.
  8. Integrieren Sie das Generationenmanagement in Ihre HR-Strategie.
  9. Etablieren Sie ein unternehmenseigenes Mentoring- oder Beratungsprogramm, um die Grundlage zu schaffen, dass jüngere Mitarbeiter Unterstützung von älteren oder ehemaligen Mitarbeitern erhalten können. Durch solche Programme kann zudem der Wissenstransfer zwischen den Generationen gewährleistet werden, sodass dem Unternehmen das Wissen der älteren Generationen auch in Zukunft zur Verfügung steht. Umgekehrt können die jüngeren Generationen die Rolle des Mentors bei beispielsweise technischen und digitalen Themen übernehmen.
  10. Fördern Sie das digitalen Umdenken im Unternehmen: Seien Sie dabei offen für neue Impulse und lassen Sie einen Wandel zu. Binden Sie insbesondere die jüngeren Generationen hierbei ein.

 

Fazit

Über all den Gestaltungsmöglichkeiten des Generationenmanagements steht wohl die Erkenntnis, dass es gar nicht ohne die Baby Boomer und die Fortsetzung der Beschäftigung der alternden Belegschaft geht. Aber eben auch nicht ohne die jüngeren Generationen mit ihren Kompetenzen und Besonderheiten. Konkret bedeutet dies für die Unternehmen, sich auf die Erwartungen der Generation Y einzustellen und dabei die Wünsche der etablierten Generationen nicht aus den Augen zu verlieren. Die Balance zwischen den verschiedenen Generationen in der Zusammenarbeit lässt sich nur durch eine Unternehmenskultur der Wertschätzung und des sozialen Miteinander erreichen. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels führt am Generationenmanagement in Zukunft daher kein Weg mehr vorbei.

Themen: Marketing Leadership, Artikel

Franca Garff

Geschrieben von Franca Garff

Franca Garff studiert Digitale Medien an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation. Als Werkstudentin bei AVADO Learning GmbH teilt sie ihr Wissen rund um digitale Trends und Generation Z auf dem Squared Online Blog.