Nico Wohlgemuth: "Machine Learning wird in den nächsten 10 Jahren viele Dinge radikal verändern"

Geschrieben von Theresa Glöde - veröffentlicht am 30.01.2018 19:22:15

Machine Learning und darauf aufbauend AI ist kein Trend. Womöglich können sich das zum jetzigen Zeitpunkt nur Leser von Science Fiction Büchern vorstellen, glaubt Nico Wohlgemuth von DAYONE. Er ist außerdem Speaker bei Squared Online. Im Interview spricht er über Zukunftstrends im digitalen Marketing und die Kunst der Bildung im Zeitalter der zunehmenden Digitalisierung.

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Nico, du bist seit mehr als einem Jahr Speaker bei Squared Online. Was konntest du bisher mitnehmen?

Vor allem, dass E-Learning wirklich funktioniert. Gerade dann, wenn die die Teilnehmerzahl verhältnismäßig hoch ist. Sich nach einem langen Arbeitstag 60-75 Minuten an den Rechner zu setzen und jemandem über eine Websession zuzuhören, ist keine Selbstverständlichkeit. Und es ist toll, dass in allen Live Classes, die ich bisher moderieren durfte, die Konzentration und Interaktion sehr groß war. Dann macht es umso mehr Spaß, als Expert Speaker in eine Kamera zu sprechen.

In den Live Classes lehrst du den Squares die Zukunftstrends im digitalen Marketing. Worüber werden wir auch noch in fünf Jahren sprechen?

Machine Learning und darauf aufbauend AI. Das mag sich momentan zwar wie die nächste Sau anfühlen, die durch das Dorf getrieben wird, aber es handelt sich hier meiner Meinung nach nicht bloß um einen Trend. Die Technologie ist komplex, wird seit vielen Jahren entwickelt und es dauert noch eine ganze Weile, bevor wir von etwas wirklich Etabliertem sprechen können. Wenn es soweit ist, wird sie in den nächsten 10 Jahren viele Dinge so radikal verändern, dass sich das heute wahrscheinlich nur Leser von Science Fiction Büchern vorstellen können.


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Wird auch Virtual Reality das Marketing zukünftig verändern?

VR hat das größte Potential im Entertainment-, B2B und Bildungsbereich. Die Gaming Branche gibt bereits Vollgas. Architekten und Projektentwickler werden in Zukunft mit ihren Kunden Entwürfe virtuell begehen. Die Lehre in Schulen, Universitäten und neuen Bildungseinrichtungen wird an Information- und Unterhaltungswert ("the joy of learning") gewinnen. Damit wird das Bildungsniveau in unserer Gesellschaft steigen. Aus Marketing Gesichtspunkten halte ich Augmented Reality jedoch für die bedeutendere Technologie – mit ihr verschmelzen reales und virtuelles Leben.

Hast du ein Lieblings-Gadget?

Mein BMW 1600-2, Baujahr 1969. Der hat noch nicht mal ein Radio, das tut ab und an gut.

Welche Entwicklungen im Online Marketing machen dir Angst?

Das Wissensgefälle bezüglich der digitalen Transformation ist in Deutschland sehr groß. Wir müssen Menschen befähigen, zu begreifen, was passiert. Jeder Einzelne von uns muss sich über "Konsequenzen" seines digitalen Konsums im Klaren sein und die Möglichkeit haben, den Grad der Automatisierung seines Lebensstils selbst zu bestimmen. Gelingt uns das, bin ich recht entspannt.

Und von wem können wir in Sachen Digital lernen, um zu wissen, was passiert?

Neben den USA, die schon immer Early Adopter waren, finde ich persönlich China und Entwicklungsländer spannend. China zeigt uns mit WeChat, welche Bedeutung Messenger Interfaces im Marketing Mix haben. Bist du nicht bei WeChat, findest du nicht statt. In Entwicklungsländern gab es lange kein stationäres Internet, es blieb "nur" Mobile. So nutzen Menschen in Südafrika bereits seit 20 Jahren Mobile Payment. Der Einsatz von Technologie ist in diesen Ländern bereits weit fortgeschritten. Von solchen Erfahrungen können wir extrem profitieren.


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Welchen Hausaufgaben sollten wir uns hierzulande insbesondere widmen?

Für mich gibt es drei große Handlungsstränge im Zuge der Digitalisierung: Erstens transformationale Produkte kreieren, die den Nutzer auf seiner Customer Journey begleiten und stetig zur Monetarisierung beitragen. Zweitens Daten als DNA seiner Unternehmung begreifen – und sich entsprechend aufstellen. Und drittens nach einer perfekten User Experience streben. Denn diese wird als Differenzierungsmerkmal am Markt in Zukunft noch wichtiger sein als der Preis oder der eigentliche Nutzen eines Produkts.

Wie bildest du dich fort?

Die Kunst der Bildung besteht im richtigen Setzen des persönlichen Informationsfilters. Wer den nicht hat ist lost, da die Masse an Informationen, die jeden Tag auf uns hereinbricht, nicht mehr zu verarbeiten ist. Ich folge vor allem einzelnen Personen aus der Tech-Szene, aber auch Journalisten und Sozialwissenschaftlern auf Twitter. Als Creative Strategist bei DAYONE nehme ich viel Einfluss auf die konzeptionelle Produktentwicklung – dafür habe ich 2-3 Newsletter abonniert, die mich mit Insights und Video Tutorials versorgen. Zudem sind zwei Chatbots im Einsatz, die mich täglich morgens und abends via Facebook Messenger mit Updates versorgen.

Eine letzte Frage: Was gibst du künftigen Squared Online Teilnehmern mit auf den Weg?

Schwimmt am besten vor, aber mindestens auf der Welle. Die Schlüssel dazu sind Kreativität, Weiterbildung und Austausch. Erlernt kreative Methoden, die im Team zur Generierung wertvoller Ideen führen. Wartet nicht auf Jemanden, der euch fortbildet. Ergreift selbst die Initiative mit geeigneten Methoden und Angeboten. Und zu guter Letzt: geht unter Menschen, besucht Events – tauscht euch aus. Ihr steht vor komplexen Fragen, die sich nur in interdisziplinären Teams mit Experten lösen lassen.


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Themen: Squared Insights, Interview

Theresa Glöde

Geschrieben von Theresa Glöde

Theresa Glöde ist Marketing Managerin Content & Social Media bei AVADO Learning GmbH, Experte für virtuelles Lernen rund um die Digitale Transformation. Auf dem Squared Online Blog schreibt sie unter anderem über digitale Marketing Trends, Digital Leadership und New Work.