Was bedeutet Digitalisierung in der Automobilbranche?

Geschrieben von Theresa Glöde - veröffentlicht am 28.03.2018 18:13:26

Traditionelle Automobilhersteller wie Volkswagen stehen im Zuge der Digitalisierung vor ganz neuen Herausforderungen. Wenn sie Zukunftstrends wie Vernetzung, Autonomes Fahren oder E-Mobilität nicht verpassen möchten, müssen sie jetzt umdenken.

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Squared Online Absolventin und Stipendiatin Valerie Wittkugel, Logistikplanerin bei Volkswagen Nutzfahrzeuge, spricht über die Herausforderungen und Chancen der Branche:

Valerie, was genau machst du bei Volkswagen Nutzfahrzeuge?

Seit meinem Abschluss habe ich meine Position bei Volkswagen Nutzfahrzeuge innerhalb des Teams gewechselt. Heute bin ich in der Customized Solution im Bereich Produktion tätig. Bei uns dreht sich alles um das, was customized, sprich individualisiert ist. Als Unterstützung vom Fertigungsleiter kümmere ich mich dabei vor allem um übergeordnete strategische Themen. Ich bin seit zweieinhalb Jahren bei Volkswagen Nutzfahrzeuge tätig und habe hier zuvor auch mein duales Bachelorstudium absolviert.

Wie kam es zu deiner Entscheidung, an Squared Online teilzunehmen?

Bereits während meines dualen Bachelor Studiums bei Volkswagen Nutzfahrzeuge habe ich gemerkt, dass mich der Bereich Marketing sehr interessiert. Das Thema konnte ich dann auch durch einen einjährigen Master im Ausland vertiefen. Ich wusste damals schon, dass ich irgendwann ins Marketing wechseln möchte. Nach meinem Abschluss habe ich mich dann aber zunächst für den Produktionsbereich entschieden. Ich wollte erst einmal lernen, was alles dazugehört und welche Prozesse involviert sind, um ein Auto zu bauen. Nichtsdestotrotz finde ich den Bereich Marketing natürlich immer noch super interessant und wollte speziell auch den Draht zum Digitalen Marketing aufrechterhalten. Durch Zufall habe ich dann beim Googeln das Digital Marketing und Leadership Programm gefunden. Die Kursinhalte wie beispielsweise "Disruptives Denken" oder "Markendenken" haben mich sofort angesprochen und begeistert.

Was hat dir an dem Programm besonders gut gefallen?

Bereits vor dem Programmstart war ich total gespannt was mich erwarten wird. Meine positive Erwartungshaltung wurde dann sogar sehr schnell übertroffen. Ich lernte während des Programms nicht nur äußerst viel über Digitales Marketing, sondern auch viel darüber hinaus, was ich für meinen Berufsalltag mitnehmen konnte. Enorm spannend fand ich z. B. die virtuelle Teamarbeit während der Projektarbeiten, die in Zukunft immer wichtiger wird, mit der ich aber bis vor dem Programm noch nicht konfrontiert wurde. Am Anfang kostet es schon Überwindung ausschließlich über Google Hangouts, Skype & Co miteinander zu kommunizieren und gemeinsam an Projekten zu arbeiten, ohne sich vorher überhaupt persönlich zu kennen. Doch diese Erfahrung hat mich persönlich sehr bereichert, da ich gelernt habe wie man sich in einem virtuellen Team organisiert und gemeinsam ans Ziel kommt. Der branchenübergreifende Austausch mit Menschen aus anderen Unternehmen mit anderen Einblicken war darüber hinaus auch sehr bereichernd.

Was hat sich seit deinem Abschluss persönlich und beruflich verändert?

Ich habe noch einmal festgestellt, wie unheimlich schnell sich die Welt verändert und dass wir schauen müssen, wie wir uns ständig weiterentwickeln können, um Schritt zu halten. Deshalb abonniere ich seitdem etliche Newsletter, höre Podcasts oder lese und informiere mich viel mehr zu allen möglichen, neuen und spannenden Themen. Beruflich hat sich darüber hinaus für mich bereits einiges während der Zeit bei Squared Online verändert.

Denn auch Volkswagen Nutzfahrzeuge hat erkannt, dass wir einen Wandel benötigen. So wurde z. B. ein Programm ins Leben gerufen, bei dem ich die Chance erhielt, mich bei einer sogenannten "Change Agent Learning Journey" weiterzuentwickeln und den Kulturwandel in unserem Unternehmen zu unterstützen. Als ich mich auf das Programm bewarb, musste ich ein Video auf Englisch einreichen, in dem ich meine Motivation für die Teilnahme begründet habe. Dabei ging es auch um meine persönlichen Ideen für die Zukunft von Volkswagen Nutzfahrzeuge.

Beispielsweise: Wie kommen wir aus den Silos heraus? Wie können wir in der täglichen Arbeit mehr Risiken nehmen? Und wie können wir zukünftig noch mehr junge Talente für uns gewinnen? Bei diesen Fragestellungen konnte ich sehr gut auf das zurückgreifen, was wir bei Squared Online behandelt haben. Die Antworten auf diese Fragen, sind mir so überhaupt nicht schwergefallen.

Welche Chancen und Herausforderungen siehst du in der Digitalisierung der Automobilbranche?

In meinem Arbeitsalltag bei Volkswagen Nutzfahrzeuge beobachte ich immer wieder, dass bei Unternehmen dieser Größe Prozesse doch immer wieder ziemlich starr und unflexibel sein können. Im Vergleich zu vielen Startups, die mittlerweile überall hochkommen, sehe ich: Wir müssen schneller und agiler werden. Wir müssen umdenken. Auf der anderen Seite gibt es natürlich einen guten Grund, warum es uns, Mercedes & Co überhaupt gibt. Denn als Automobilhersteller haben wir jahrzehntelang eine nicht zu unterschätzende Erfahrung aufgebaut. Es müssen nun also Wege gefunden werden, die das Gute von beiden Seiten zusammenbringen. Das ist eine große Herausforderung. Der Kulturwandel und viele weitere Zukunftsthemen sowie Innovationen sind für die Zukunft der Automobilhersteller entscheidend.

Darüber hinaus stellt sich mir allerdings noch die Frage: Reicht das aus und sind wir schnell genug? Auch das Thema Know-how knüpft sich hier an. Unsere Kernkompetenz ändert sich durch die zunehmende Digitalisierung nämlich auch. Während es früher nur darum ging, Autos zu bauen, sprechen wir mittlerweile über Themen wie Vernetzung, Autonomes Fahren oder E-Mobilität. Dieses neue Know-how muss ein Unternehmen erst einmal ausbauen. Es stellt sich somit die Frage, wie wir mit dieser Situation umgehen. Ich denke, dass eine Chance z. B. darin besteht, mit Startups zu kooperieren. Das gesamte Thema Kultur und Change ist eine riesige Herausforderung. Aber die Chancen sind enorm, wenn wir die digitale Transformation meistern. Ich denke nicht, dass sich die traditionellen Automobilhersteller den Markt einfach wegnehmen lassen. Die zunehmende Digitalisierung in der Automobilbranche wird einfach äußerst spannend werden.


"Während es früher nur darum ging, Autos zu bauen, sprechen wir mittlerweile über Themen wie Vernetzung, Autonomes Fahren oder E-Mobilität. Dieses neue Know-how muss ein Unternehmen erst einmal ausbauen. Es stellt sich somit die Frage, wie wir mit dieser Situation umgehen?"

Valerie Wittkugel, Volkswagen Nutzfahrzeuge


Wie stellst du dir die Zukunft der Mobilität vor?

Das gesamte Thema der geteilten Mobilität, sprich Car-Sharing, ist in diesem Zusammenhang für mich ein wichtiges Stichwort. Ich persönlich habe z. B. gar kein Auto mehr, weil ich in der Stadt keines brauche. Stattdessen fahre ich jeden Tag mit dem MOIA Shuttle des Volkswagen Konzerns, welches gerade in Hannover getestet wird, zur Arbeit. MOIA bietet eine On-Demand Mobilitätslösung, die einfach super praktisch und bequem ist: Via App bestellst du einen Shuttle, der dann meist in 5-10 Minuten bei dir ist und dich zu deinem Wunschziel bringt. Du musst dich auch nicht um die Bezahlung kümmern, das geschieht alles über die App.

Neben der Fragestellung ob Autos in der Zukunft den gleichen Stellenwert haben werden, denke ich, dass es in Zukunft immer mehr um ein wirkliches Erlebnis beim Fahren geht. So habe ich im Internet beispielsweise von Konzepten von Wettbewerbern gelesen, bei denen du zukünftig, wenn du von A nach B fährst, dir z. B. währenddessen Sportschuhe aussuchen oder die Fingernägel lackieren lassen kannst. Alles sehr abgespaced, aber alles auch irgendwie cool und viel effizienter. Ich glaube, darum geht es: deine Zeit auch wirklich für dich zu nutzen.


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Und wem würdest du die Teilnahme an dem Digital Marketing und Leadership Programm empfehlen?

Man sollte nicht glauben, dass es sich bei dem Programm um einen Spaziergang handelt. Natürlich kann jeder für sich abwägen, wie viel Zeit und Energie er da reinsteckt. Ich bin der Meinung, dass man am meisten mitnehmen kann, wenn man sich wirklich in die Inhalte vertieft und sich engagiert, da das Programm so viel zu bieten hat. Deshalb ist es sinnvoll, dass jeder, der an Squared Online teilnehmen möchte, viel Motivation mitbringt und vielleicht auch etwas im Leben verändern möchte. Grundsätzlich kann aber jeder von dem Programm profitieren, da es durch die verschiedenen Modulinhalte ein sehr breites Spektrum abdeckt und aktuelle Einblicke liefert, was gerade in der Online Marketing Welt und darüber hinaus relevant ist.

Themen: Squared Insights, Interview, Digitale Talente

Theresa Glöde

Geschrieben von Theresa Glöde

Theresa Glöde ist Marketing Managerin Content & Social Media bei AVADO Learning GmbH, Experte für virtuelles Lernen rund um die Digitale Transformation. Auf dem Squared Online Blog schreibt sie unter anderem über digitale Marketing Trends, Digital Leadership und New Work.