Female Leadership: Frauen als Treiber der digitalen Transformation?

Geschrieben von Theresa Glöde - veröffentlicht am 20.04.2017 12:23:57

Die digitale Wirtschaft boomt. Schaut man sich in Startups und auf den Managementebenen der großen Unternehmen um, sind es entweder junge Gestalter oder zumeist männliche Macher, die diese vorantreiben. Die Karrierechancen, die sich durch die Digitalisierung bieten, sollten aber insbesondere Frauen kennen und nutzen. 

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Flexible Arbeitsmodelle bieten speziell Frauen, neue Karrierewege zu gehen und dabei Arbeit und Privatleben zu vereinbaren. Wir stellen die wesentlichen Punkte vor, wie Frauen in Führungspositionen oder auf dem Weg dorthin ihre Chancen im Zeitalter von Arbeit 4.0 nutzen können.

Mehr Frauen in Führungspositionen durch die Digitalisierung?

Viele Unternehmen tun sich derzeit noch schwer mit dem Kulturwandel hin zur digitalen Arbeitswelt. In der Studie von MIT Sloan Management Review in Zusammenarbeit mit Deloitte gaben 90 Prozent der Führungskräfte an, dass sich ihr Unternehmen im Prozess der digitalen Transformation befinde. Aber nur 44 Prozent fühlen sich auf die bevorstehenden Veränderungen vorbereitet. Die digitale Arbeitswelt verlangt jedoch nicht nur den Aufbau von Digitalkompetenzen. Sie verändert alle unsere Lebensbereiche fundamental, bringt revolutionäre und disruptive Technologien sowie nie dagewesene Geschäftsmodelle und neue Märkte hervor – während vorhandene Märkte obsolet werden. Diese Veränderungen ermöglichen ein freieres und flexibleres Arbeiten und bieten vor allem Frauen neue Möglichkeiten, um sich beruflich weiterzuentwickeln und in die Arbeitswelt zu integrieren. Fakt ist: Die Digitalisierung lässt die gegenwärtige Arbeitswelt immer weiter aufbrechen und bedingt dabei ein neues Verständnis von Job und Arbeitswelt. Ein Verständnis, das die berufliche Lücke zwischen Frauen und Männern womöglich schließen könnte?

Frauen als Gründerinnen in der Digitalbranche

Von Gender-Diversity kann in Deutschland noch keine Rede sein. Nur drei von zehn Unternehmen in Deutschland werden von Frauen gegründet. Nur bei 13 Prozent aller Startups ist eine Frau mit im Gründungsteam. Und auch die Selbstständigenquote fällt bei Frauen viel geringer (7 Prozent) aus als bei Männern (14 Prozent). Die Gründe für den geringen Anteil an Gründerinnen in Deutschland sind vielfältig.

Bis heute fokussiert sich die öffentliche Debatte auf die Folgen der Digitalisierung, die vor allem Männer betreffen. Den Umbrüchen im weiblich geprägten Dienstleistungsbereich wird beispielsweise viel weniger Aufmerksamkeit in den Medien geschenkt. Wenn Deutschland künftig aber nicht den Anschluss verlieren will, brauchen wir auch starke UnternehmerInnen. Hier sind die Entscheidungsträger der Branchen gefragt. Grundsätzliche Forderungen können sein: Mehr Einstellungen von Frauen für Führungspositionen und die Einführung der Frauenquote. Sowie interne Zielvorgaben für Frauenanteile auf bestimmten Positionen oder Beurteilungssysteme, die unterschiedliche Führungsstile berücksichtigen. 

Zukunft der Arbeit: Herausforderungen und Chancen des aufbrechenden Arbeitsmarktes

Aber wer möchte schon eine Position mit einer Frau besetzen, nur des Frauseins wegen, wenn es für die gleiche Position besser qualifizierte männliche Kandidaten gibt? Und welche Frau wäre glücklich über einen Job, den sie nur ausübe, weil der Arbeitgeber sich das Thema Frauenförderung auf die Agenda gesetzt hat? Nach wie vor fürchten viele Frauen, die sich bereits länger im Arbeitsmarkt befinden, benachteiligt zu werden, wenn sie z. B. flexibel arbeiten wollen oder einen anderen Führungsstil als ihre männlichen Kollegen haben. Es könnte nun eine lange und detaillierte Erklärung folgen, die belegt, warum das Thema Quote gesellschaftlich relevant ist und nicht abgewertet werden darf. Die Debatte folgt aber nicht.

Wir sollten vielmehr damit beginnen, die Stereotypen in der Berufswelt aufzubrechen. Wir müssen dafür sorgen, dass sich mehr Frauen für MINT-Fächer begeistern und in Richtung Digital und Tech ausbilden lassen. Oder vermeintliche Frauen-Jobs, wie Sekretariats- oder Administrationsstellen, beispielsweise konsequent mit Männern besetzt werden. Vor allem sollten wir uns aber im Kern ansehen, welche Chancen die Digitalisierung für Frauen (und Männer) mit sich bringt und warum gerade die digitale Wirtschaft für Frauen attraktiv sein kann. Wie kann Female Leadership in Zukunft aussehen?

Eine erfolgreiche Zukunft entsteht nicht durch Zufall. Fortschritt in Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur bedeutet immer Arbeit und Strategie von klugen Köpfen, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort das Richtige tun. Die neue Welt wird nicht nur digital, sondern auch sozial interaktiv sein. Karriere machen daher zukünftig diejenigen, die sich auf den schnellen Wandel in allen Lebensbereichen einlassen und ihn mitgestalten wollen. Mit Wissen und insbesondere mit Flexibilität. Eine typisch weibliche Stärke?

Empathie als typisch weibliche Fähigkeit und Karrierebooster?

Die Digitalisierung ermöglicht den Frauen, flexibler zu arbeiten, als bislang und Soft Skills wie z. B. soziale und kommunikative Kompetenz, Empathie und Teamfähigkeit als Karrierebooster nutzen zu können. Das sind die Fähigkeiten von Top-Talenten der Zukunft, die von Unternehmen und Wirtschaft zunehmend nachgefragt und typischerweise von Frauen repräsentiert werden. Insbesondere der Empathiefähigkeit kommt im Zuge zunehmender Digitalisierung eine ganz eigene Rolle zu: Denn wenn immer mehr Jobs automatisiert und durch Künstliche Intelligenz ersetzt werden, was bleibt uns dann noch, als das, was uns von Robotern unterscheidet? Janina Kugel, Chief Human Ressources Officer bei der Siemens AG, sprach beim New Work Experience Event 2018 zum Thema: "Wir müssen Dinge machen, die deutlich mehr Empathie erfordern"Ganz gleich wie bedeutend Automatisierung, Artificial Intelligence unde Robotik werden können – der Mensch ist und bleibt essentiell. 


"Empathiefähigkeit, Kommunikation, Kreativität, Agilität und der Umgang mit Neuem und Unbekannten ist das, was uns von den Maschinen unterscheidet".

Janina Kugel, Siemens AG


Es geht also um die Fragen: Was? Wie, Wie zusammen? Und vor allem warum arbeiten wir heute und in Zukunft? Entscheider fordern mittlerweile selbst immer öfter, dass in allen Bereichen neben IT-Kompetenz auch die sozialen Fähigkeiten in ihrem Unternehmen ausgebaut werden, um das Ziel der digitalen Kongruenz zu erreichen. Dieser Einklang von Unternehmenskultur, Mitarbeitern, Aufgaben, Strukturen und Strategie wird als Digital Excellence bezeichnet.

Hinzu kommt, dass Frauen in Sachen Bildung mittlerweile in jedem zweiten Land besser abschneiden als Männer. Außerdem möchten bereits sechs von 10 Frauen in den Schwellenländern innerhalb der nächsten fünf Jahre in die Selbstständigkeit gehen. Wenn es jedoch um die Nutzung digitaler Kompetenzen (eng.: Digital Fluency) von Frauen geht, liegt Deutschland nur im Mittelfeld. Die Niederländerinnen, Skandinavierinnen und US-Amerikanerinnen haben hier die Nase vorn. Das hat die Studie "Getting To Equal – How Digital is Helping Close the Gender Gap at Work" von der Unternehmensberatung Accenture ergeben, die hierfür Daten von 4.900 Befragten aus 31 Ländern ausgewertet hat. Dennoch sind über 60 Prozent der Studienteilnehmer optimistisch, dass die Digitalisierung auch hierzulande zur Angleichung der Karrierechancen beider Geschlechter führen wird. Um es mit den Worten von Sylvia Coutinho, der brasilianischen Chefin der Großbank UBS, auf den Punkt zu bringen:


"Die Digitalisierung ist für Frauen so etwas, wie es die Pille in den 60er Jahren war: Sie eröffnet alle möglichen Freiheiten".

Sylvia Coutinho, UBS


Oder wie es Robert Franken definiert, der sich selbst als digitalen Potenzialentfalter und Feminist bezeichnet und als langjähriger Experte für digitale Transformation gilt: "Frauen sind die Archetypen der Digitalisierung". Diese Chancen müssen aber auch ergriffen werden - und das erfordert ein Umdenken und Handeln der Frauen ebenso wie ein Entgegenkommen von männlichen Führungskräften und Arbeitgeber.

New Work: Parallele Ziele von Frauen und Digital Natives

Die typisch weiblichen Skills sowie die Anforderungen und Vorstellungen an einen Job, die zur Work-Life-Balance beitragen, stimmen ebenso mit den Vorstellungen der jungen Arbeitnehmer überein. Das ergaben Untersuchungen des Frauen-Karriere-Index (FKi): Karrierewillige Frauen haben an ihren Arbeitsplatz verblüffend ähnliche Anforderungen, wie die gut ausgebildeten Fachkräfte der nächsten Generationen. Schon heute ist den meisten Entscheidern bewusst, dass die Digital Natives Unternehmen zukünftig nachhaltig prägen werden. Das bedeutet: Führung muss sich an das digitale Zeitalter anpassen. Welche Herausforderungen Millennials an ihre Arbeitgeber stellen, hat sich bereits deutlich herauskristallisiert. Sie bringen gegenüber ihrer Elterngeneration eine klar veränderte Vorstellung von Arbeit mit. So ticken High Potentials und die Generation Y in Bezug auf New Work in gewisser Weise weiblich. Für sie kommt nicht mehr Kind oder Karriere in Frage – sondern Kind und Karriere. Sowie ein Job, der sinnstiftend ist und Spaß bereitet, ihnen Anerkennung und Freiheit schenkt. "New Work Konzepte hängen aber vor allem von der Führung ab", weiß Claudia Wentsch, Director HR bei Microsoft Deutschland GmbH. Sie saß zum Thema "New Work – schöne neue Arbeitswelt?!“ beim WIDI-Event mit im Panel. Wenn es um die Mitarbeiter geht, sei "intellektuell das Verständnis für New Work zwar da – emotional müsste aber noch nachgeholfen werden", beschreibt Wentsch die digitale Transformation bei Microsoft Deutschland.


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Warum ist Netzwerken für Frauen so wichtig?

Natürlich kann die Digitalisierung dabei helfen, die Arbeit mit der Familie oder einem Lebenstraum zu vereinbaren. Flexible Arbeitsmodelle wie Home Office, Remote Work oder Job Sharing sind nur ein paar der Beispiele, die zu den großen Vorteilen der technologischen Vernetzung gehören und von denen berufstätige Mütter (und Väter) profitieren können. Das hilft ihnen aber nichts, wenn sie dabei in der Firma oder in der Branche für ihre Fähigkeiten nicht wahrgenommen werden. Netzwerken, das Knüpfen wichtiger Kontakte und das Kontakthalten werden daher umso wichtiger, je seltener man sich an den Orten des Geschehens blicken lässt. Wir sollten uns deshalb keiner Illusion hingeben: Wer Karriere machen möchte, muss sich auch dort aufhalten, wo Karriereentscheidungen fallen. Das kann im Unternehmen selbst sein – aber auch auf Events oder Netzwerkveranstaltungen.

Geht es z. B. um die Auswahl von Panel-Teilnehmerinnen auf Events, wird schnell klar: Unter die männlichen Experten mischen sich zwar zunehmend mehr Frauen, die Speaker-Galerien bleiben aber auch in 2018 männlich dominiert. Das möchte Tijen Onaran ändern, weshalb sie 2016 "Woman in Digital" gründete und WIDI-Events veranstaltet. "Woman in Digital" ist ein ehrenamtlicher Verein, der zum einen Frauen in der Digitalbranche miteinander verbinden soll, aus dessen Netzwerk sich auf der anderen Seite aber auch mehr Speakerinnen gewinnen lassen sollen. Denn woran es in Deutschland noch fehlt, sind Plattformen, die Frauen zu dieser benötigten Sichtbarkeit verhelfen, um neben den männlichen Speakern auf Branchenevents mit Expertenwissen beizutragen. Ein weiteres Beispiel, das Frauen im Digitalbereich zu mehr Sichtbarkeit verhilft, ist das durch Onaran auf Facebook ins Leben gerufene "#365faces of WIDI". Jeden Tag stellt sich unter dem Hashtag eine spannende Frau aus der Digitalbranche vor.

Wir präsentieren Ihnen einige spannende Netzwerke, Plattformen und Events für Frauen:

Female Empowerment: Weiterbildung, Coaching und Mentoring als Voraussetzung, um erfolgreich zu sein

Wer Karriere machen möchte, muss sich weiterbilden. Das gilt für Frauen ebenso wie für Männer. Vor allem dann, wenn Führungskompetenzen gefragt sind. Und wer als Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben möchte, muss eine gelebte Kultur der Vielfalt nach innen und nach außen leben. Das bedeutet: die individuellen Stärken der Mitarbeiter und Führungskräfte müssen gezielt gefördert werden, um diese gewinnbringend im Unternehmen einzusetzen. Das gilt für Männer, aber derzeit mehr noch für Frauen.

"Das Thema Mentoring spielt hier eine wesentliche Rolle", weiß Onaran, die neben "Woman in Digital" auch die Berliner Strategie-Beratung "startup affairs" gründete und im Rahmen ihrer Rolle als Moderatorin des WIDI-Events den Teilnehmerinnen diesen Punkt nachdrücklich ans Herz legte. Zwei weitere Frauen, die sich das Thema Weiterbildung und Coaching im vergangenen Frühjahr auf die Kappe geschrieben haben und seitdem sehr erfolgreich das Thema Female Empowerment vorantreiben, sind die EDITION F-Gründerinnen Susann Hoffmann und Nora-Vanessa Wohlert. EDITION F gilt unter Lesern und LeserInnen als das digitale Zuhause für starke Frauen. Hoffmann und Wohlert gelten nicht nur als sogenannte Role Models der Digitalbranche. Vielmehr möchten sie mit ihrem 52-wöchigen digitalen Coaching-Programm "Female Future Force" Themen wie z. B. Leadership, Storytelling und Artificial Intelligence schulen. Und nicht nur Frauen sind dabei gefragt. Experten und ExpertInnen referieren im Video, per Podcast oder Interview. Dazu erhalten die Teilnehmer Arbeitsmaterial, Fragebögen und Aufgaben zur Selbstreflektion. Ein digitales Programm, das durch online und offline Live-Sessions abgerundet wird. Im Horizont-Interview beteuert Hoffmann die Nachfrage nach solch einer Weiterbildung, was auch die Klicks auf Karriereartikel im EDITION F-Magazin zeigten.

 

Fazit

  • Digitalisierung und Disruption verändern den Arbeitsmarkt und klassische Vorstellungen von Arbeit und Arbeitswelt werden zunehmend aufgebrochen
  • Die Entwicklung kommt auch Männern zugute - vor allem aber den Frauen, die spätestens bei der Familienplanung karrieretechnisch oftmals den Kürzeren ziehen
  • Arbeit wird freier, flexibler und von starren Strukturen gelöst
  • Home Office kann eine Möglichkeit sein, Arbeit und Privatleben zu vereinbaren umso die Karriere nicht zu gefährden
  • Frauen sind mit ausgeprägte Soft Skills, besonderen sozialen Fähigkeiten und insbesondere durch ihre Erwartungen an ihren Job, für New Work-Modelle attraktiv
  • Studien zeigen, dass Frauen für die Anforderungen und Herausforderungen innovativer und digitalisierter Branchen gewappnet sind
  • New Work wird von vielen jungen Arbeitnehmern bereits gelebt wird, diejenigen Frauen, die die daraus resultierenden Möglichkeiten noch nicht kennen, sollten sich diese diese zunutze machen. Das kann im Rahmen von Arbeiten jeglichen Umfangs und Art oder Karrierelevel sein
  • Wer als Unternehmen wettbewerbsfähig sein und zukünftig bleiben möchte, gewinnt durch gezielte Förderung ‘weiblicher’ Skills
  • Auf der anderen Seite erfordern die Chancen, die sich aus der Digitalisierung für Frauen ergeben, auch ein Umdenken und Handeln der Frauen selbst - sowie ein Entgegenkommen von Männern
  • Flexible Arbeitsmodelle können hier nicht alles sein und sollten es auch nicht. Kinder lassen sich nicht einmal nebenbei betreuen
  • Zuallererst geht es also darum, stereotype Berufsbilder aufzubrechen und individuelle Stärken und Vielfalt von Mitarbeitern zu fördern
  • Unternehmen müssen auch Männern die Chance geben, in diesem Zuge andere, bisher meist Frauen vorbehaltene Rollen zu übertragen. Und andersherum: Frauen mehr Verantwortung und Führung überlassen
  • Weitere Punkte, auf die es im digitalen Zeitalter und New Work zunehmend ankommt, sind: stetige Weiterbildung - ob innerhalb des Unternehmens oder extern sowie das Kontakthalten und Netzwerken auf Events und Veranstaltungen

 

Der Artikel wurde am 20.04.2017 publiziert und am 06.03.2018 aktualisiert.

Themen: Marketing Leadership, Artikel, Führungsphilosophie

Theresa Glöde

Geschrieben von Theresa Glöde

Theresa Glöde ist Marketing Managerin Content & Social Media bei AVADO Learning GmbH, Experte für virtuelles Lernen rund um die Digitale Transformation. Auf dem Squared Online Blog schreibt sie unter anderem über digitale Marketing Trends, Digital Leadership und New Work.