Digitale Kompetenz unentbehrlich, aber Weiterbildung mangelhaft: Welche Fähigkeiten benötigen wir in Zukunft?

Geschrieben von Theresa Glöde - veröffentlicht am 28.06.2017 17:08:25

Unternehmen in Deutschland fangen langsam an zu verstehen, dass Digitale Kompetenz kein Nice-to-Have ist, sondern zu den Kernkompetenzen eines jeden einzelnen Mitarbeiters gehört. Wer den digitalen Wandel nicht verpassen will, muss deshalb in die Aus- und Weiterbildung von Digitalthemen investieren. Auf welche Digital Skills es dabei ankommt, haben wir für Sie zusammengestellt.

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Digitalisierung in Deutschland nur im Schneckentempo

In Sachen Digitalisierung drücken Unternehmen in Deutschland die Schulbank. Sobald es aber an die Hausaufgaben geht, hapert es. Geschäftsabläufe werden zwar zunehmend digitalisiert, Unternehmen verlassen sich dabei jedoch oft ausschließlich auf die Einführung neuer IT-Technologien. Auf der Strecke bleiben Weiterbildungsmaßnahmen für das eigene Personal. Und das, obwohl Mitarbeiter der größte Wert eines Unternehmens sind. Schließlich werden Innovationen in Technologien und Geschäftsmodellen (noch) nicht von Algorithmen angetrieben, sondern von Menschen. 

Damit verliert Deutschland im Zuge der Digitalen Transformation seine Stellung als führende Industrienation und liegt im internationalen Vergleich nur auf Rang 17. An mangelnder Erkenntnis, die Digitalisierung voranzutreiben, sollte dies nicht liegen. Womöglich aber an der fehlenden Ausbildung digitaler Talente?

Der kürzlich veröffentlichte Bericht von Capgemini in Kooperation mit dem größten Berufsnetzwerk LinkedIn zum Thema Digital Talent Gap enthüllte sogar: Immer mehr Mitarbeiter investieren notgedrungen eigene Ressourcen in die Ausbildung digitaler Kompetenzen und die Aneignung von Digital-Wissen. Weil ihnen keine oder nur mangelhafte Weiterbildungsmaßnahmen am Arbeitsplatz geboten werden. 

Der Digital Talent Gap gehört zu den wichtigsten Herausforderungen, die in 2018 zu meistern sind. Lesen Sie hier, worauf es im Digital Marketing im neuen Jahr ankommt.

Überfordert uns der digitale Wandel?

Der Arbeitsmarkt verändert sich durch die Digitalisierung in einem noch nie dagewesenen Tempo. Etablierte Berufe wandeln sich, neue Berufsbilder entstehen und die Komplexität der Arbeitsanforderungen wächst. Was gestern noch nachgefragt oder gelernt wurde, ist heute bereits vergänglich. Verwunderlich ist deshalb nicht, dass die neuen Anforderungen und Ansprüche an die Qualifizierung überfordern können: Unternehmen, Führungskräfte und Mitarbeiter gleichermaßen. Das größte Hindernis sei dabei häufig vor allem die Angst, Fehler zu machen. Alte Denkmuster und Prozesse werden deshalb gerne beibehalten.

Wir haben 5 Ansätze zusammengefasst, wie Unternehmen die Herausforderungen der Digitalen Transformation meistern: hier können Sie nachlesen. 

Oft gestellte Fragen sind in diesem Zusammenhang: Wo soll ich anfangen, wenn ich mein Unternehmen digitalisieren möchte? Welche Maßnahmen und Prozesse müssen im Unternehmen als erstes angepasst werden? Und wie stelle ich mein Personal auf? Beim Senkrechtstart in die digitale Welt kann Ihnen vielleicht der ORBIT-Approach (Organisation, Ressourcen, Budget, Iteration, Taktik) helfen: ein von Deloitte und Google entwickelter Ansatz, um den digitalen Wandel im Unternehmen anzustoßen und die Transformation dauerhaft in Gang zu halten.

Unternehmen rechtfertigen mangelnde Weiterbildungsmaßnahmen mit zu wenig Zeit

Wie groß der Nachholbedarf in Sachen digitaler Kompetenzen ist, zeigt z.B. die Talent-Revolution Umfrage, die der BVDW gemeinsam mit der Boston Consulting Group und der Google Digital Academy durchgeführt hat. Weiterbildungsprogramme im Bereich Digital liegen hier weit hinter den Anforderungen zurück: Nur ein Drittel der Umfrageteilnehmer haben demnach Zugang zu Maßnahmen, die ihnen ermöglichen, die für ihre Rolle notwendigen digitalen Kompetenzen und Fähigkeiten zu erlangen. Die Mehrheit wendet sich dagegen an Familie, Freunde und Kollegen oder bildet sich durch eigenständiges Ausprobieren selbst weiter. Kienbaum hat kürzlich den Digital Readiness Check (DRC) entwickelt. Er unterstüzt dabei, herauszufinden, wie fit Ihre Mitarbeiter in Sachen Digital sind und wo noch Kompetenzlücken bestehen.

In Deutschland hinkt derzeit vor allem der Mittelstand bei der Digitalisierung hinter her. Welche Branchen den digitalen Wandel verpassen, lesen Sie hier.

Unternehmen rechtfertigen die mangelnde Weiterbildung häufig mit: zu wenig Zeit, zu teuer, die vorhandenen Angebote decken nicht die benötigten Inhalte ab – oder, dass sie auf den Mitarbeiter nicht verzichten können, während dieser sich fortbildet. Auch können die Unternehmen die Qualität der Weiterbildungsangebote oft nicht beurteilen oder ihnen fehlt ein Überblick über die verschiedenen Arten der Weiterbildungsmöglichkeiten rund um Digitale Kompetenz. Schwierig ist außerdem die starke Orientierung der Unternehmen nach innen.

Wer auf disruptive Veränderungen von Märkten und Kundenbedürfnissen reagieren möchte, muss regelmäßig den Blick über den Tellerrand hinauswagen. Zu selten setzen Führungskräfte auf externe Impulse. Sondern verlassen sich auf den Austausch mit den Chefetagen innerhalb des Unternehmens oder sprechen nur direkt mit den von ihnen geführten Mitarbeitern. Aber auch Führung muss sich im digitalen Zeitalter verändern. Beispielsweise wenn es um virtuelle Teamarbeit geht.

Warum ist digitale Kompetenz in Zeiten der Digitalisierung so wichtig?

Digitalkompetenz wird immer mehr zur Grundvoraussetzung, um erfolgreich am Erwerbsleben teilzunehmen. Zum einen geht es dabei um Expertenwissen für Jobs in der IT-Branche. Aber auch um digitales Basiswissen, das heute im Alltag wohl jeden Unternehmens eine Rolle spielt. Gefragt sind Kompetenzen und Fähigkeiten – aber auch Haltungen. 

Kaum eine Berufsgruppe wird heute und in Zukunft ohne Weiterbildung auskommen. Denn alles wird digitaler, mobiler und Innovationen nehmen zunehmend schneller statt. Zum Erfolgt kann Digitalisierung daher nur dann werden, wenn Unternehmen stärker als bisher und zwar kontinuierlich in den Aufbau von digitale Kompetenzen der eigenen Mitarbeiter investieren. Lebenslanges Lernen wird im digitalen Zeitalter zur Pflicht. Wer also für die Arbeitswelt 4.0 fit sein möchte, sollte die digitalen Skills stets im Blick haben und diese gezielt beim Personal ausbauen. Soft Skills schlagen dabei die fachlichen Kompetenzen. Zukünftig wird sozialen und kulturellen Kompetenzen der größte Gewinn an Bedeutsamkeit vorausgesagt. 

Weiterbildungsmaßnahmen müssen deshalb im gleichen Tempo angepasst werden, wie es die zunehmende Digitalisierung und damit die technologischen Entwicklungen von unserer Gesellschaft verlangen. Laut einer Studie von Accenture wissen jedoch nicht einmal die Hälfte aller Arbeitnehmer, welche Kompetenzen in fünf Jahren gefragt sind. Wir haben aus diesem Grund für Sie recherchiert. Ganz gleich ob Allround-Talent, Spezialist oder der Generalist mit Spezialwissen – für sie alle gilt: sie müssen Veränderungen in der digitalen Welt erkennen und neue Methoden anwenden können. Diese Schlüsselqualifikationen sind für die digitale Arbeitswelt fundamental:

Die 10 wichtigsten Soft Skills für Mitarbeiter in der digitalen Arbeitswelt

  • Kommunikationsstärke
  • Emotionale Intelligenz
  • Analytisches Denken und Handeln
  • Kreativität
  • Innovatives, optimierendes und planerisches Denken und Handeln
  • Entscheidungskompetenz
  • Fokus- und Abstraktionskompetenz
  • Neugier, Offenheit für Neues sowie Veränderungskompetenz
  • Geistige Flexibilität
  • Mobilität und Selbstorganisation
  • Fähigkeit zum Netzwerken

Fakt ist, in der digitalen Arbeitswelt werden zunehmend Soft Skills nachgefragt, die typisch weiblich sind. Lesen Sie hier, warum sich gerade für Frauen durch die Digitalisierung neue Karrierechancen bieten und wie Frauen diese optimal nutzen können. 

Die 10 wichtigsten Fachkompetenzen für Mitarbeiter in der digitalen Arbeitswelt

  • Digitalwissen
  • Technologisches Know-how 
  • Geschäftssinn, Unternehmungsführung und Unternehmergeist
  • Digital Marketing
  • Digital Leadership
  • Arbeiten im internationalen und interdisziplinären Team
  • Projektmanagement
  • Produktmanagement
  • Change Management
  • Daten- und Zahlen-Verständnis sowie Finanzkompetenz

Fachkompetenzen werden in diesen Bereichen zunehmend nachgefragt:

  • Mobile Marketing
  • Virtual Reality, Augmented Reality und Gamification
  • Automatisierung
  • Data Analytics
  • Social Media
  • Digital Marketing
  • SEO
  • Programmieren, Web und App Development
  • Digital Design und UX
  • Community Management

 

Fazit

Ob wir wollen oder nicht: unser Alltag, unser Leben und unsere Arbeitswelt sind zunehmend digital geprägt. Und das bedingt umfassendes Digitalwissen und neue Kompetenzen, die wir uns aneignen müssen, um am Erwerbsleben teilhaben zu können. In der digitalisierten Arbeitswelt werden Allround-Talente und Spezialisten gebraucht, vor allem aber Generalisten mit Spezialwissen. In einigen Branchen ist Basiswissen ausreichend, in anderen wird umfassendes Spezialwissen benötigt. Branchenübergreifend gilt aber für alle Unternehmen: die Anforderungen an Unternehmen, Führungskräfte und Mitarbeiter steigen stetig und das täglich. Wem die digitale Kompetenz fehlt, wer die digitale Welt nicht versteht und durchdringt, der wird schnell zum Getriebenen. Lebenslanges Lernen wird daher zur Pflicht. Die Unternehmen müssen dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter souverän mit digitalen Geräten und Anwendungen umgehen können sowie über die geforderten Soft Skills und Fachkompetenzen verfügen. Dabei wird die Einstellung Hochqualifizierter immer mehr zur Utopie. Vielmehr geht es darum, Mitarbeiter kontinuierlich weiterzubilden. Nur so kann der digitale Wandel erfolgreich sein, ebenso wie der Wandel vom Getriebenen zum Gestalter der digitalen Welt.

Themen: Digital Marketing, Artikel

Theresa Glöde

Geschrieben von Theresa Glöde

Theresa Glöde ist Marketing Managerin Content & Social Media bei AVADO Learning GmbH, Experte für virtuelles Lernen rund um die Digitale Transformation. Auf dem Squared Online & AVADO Learning Blog schreibt sie unter anderem über digitale Marketing Trends, Digital Leadership und New Work.